Wie wollt ihr denn die Stadt regieren, wenn ihr nicht miteinander redet?

von Stef Manzini (Kommentare: 1)

Bild: s!!z-Team

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  • stattzeitung.org mit alternativer Kandidatenvorstellung.
  • 5. Juni 2024 ab 18 Uhr im Hof Neuhaus (Apfelzügle) zwischen Bambergen und Lippertsreute.
  • Alle Kandidaten zur Gemeinderatswahl waren eingeladen, kommen wird die AfD.
  • “Demokratischer Diskurs” befindet sich in der Bodenseestadt im Keller (eines Überlinger Theaters).
  • LBU/die Grünen vergriffen sich im Ton, der Wortlaut ihrer Absage ist vermutlich justiziabel.

"Alles für Deutschland“ schrieb Dorothee Bär von der CSU in einem TikTok-Post, und wurde dennoch zur Bayerischen Staatsministerin für Digitales befördert. Gegen Bär wurde keine Anklage erhoben. Björn Höcke von der AfD zahlt jetzt für diesen Satz 100 Tagessätze a 130 Euro und ist somit vorbestraft.

Die Grünen wollten einmal einen Kanzler jagen: "und Grünen-Sprecher Ludger Volmer tönte am Wahlabend: Wir werden den Kanzler jagen.“ Schlagzeile im Spiegel von 1994. Auch hier muss dem Ehrenvorsitzenden der AFD, Alexander Gauland das Urheberrecht für diesen Satz aberkannt werden, denn die "Grünen“ waren die Ersten.

Die SPD leistet sich rund um den  "Sylter Nazi-Skandal“ ganz aktuell einen schweren Fauxpas, wie die Frankfurter Rundschau titelt: "Die SPD versuchte, mit einem Instagram-Post gegen das rassistische Partygegröle auf Sylt Stellung zu beziehen. Dies führte jedoch hauptsächlich zu Unverständnis und Kritik, woraufhin die Partei ihre Aussagen korrigierte. Ursprünglich hatte die Partei auf der Plattform unter einem schwarz-rot-goldenen Banner geschrieben: "Deutschland den Deutschen, die unsere Demokratie verteidigen.“

Viel weiter zurück liegen der Parteispenden-Skandal der CDU, die sogenannte "schwarze Koffer-Affäre“ des Bundeskanzlers Helmut Kohls. Brandaktuell dagegen die Anklagen gegen Ursula von der Leyen (EU-Kommissionspräsidentin), die allerdings bis nach ihrem Wahlkampf auf Eis gelegt werden, ganz anders als bei den Vorgängen um Maximilian Krah (AfD) erhält von der Leyen so Rückendeckung für ihren EU-Wahlkampf. Alle sind gleich. Manche sind gleicher. Oder die fast vergessenen mysteriösen Todesfälle der FDP-Spitzenpolitiker Uwe Barschel, in einer Genfer Badewanne, oder Jürgen Möllemann (Briefbogenaffäre), der mit dem Fallschirm in den Tod stürzte. Marie Agnes Strack-Zimmermann (FDP) ist immer wieder zu vorschnellen Posts in den sozialen Medien bereit, die die "Waffenlobbyistin“ dann wieder zurückziehen muss. Erst ein paar Monate her ist die Hysterie über die angeblich antisemitischen Pamphlete im Schulranzen des jungen Hubert Aiwanger, der heute Spitzenpersonal der Freien Wähler in Bayern ist.

Vor 2.000 Jahren lehrte der Größte: Wer unter euch ohne Sünde sei, der werfe den ersten Stein. (Jesus Christus)

Man könnte also ewig mit diesen gegenseitigen Vorwürfen fortfahren, oder auch nicht. Jede möglich künftige Ratsfrau und jeder möglich künftige Ratsherr kann nun selbst entscheiden, was von den genannten Beispielen schlimm, schlimmer, oder am schlimmsten ist. Eines ist aber klar: Mit jedem Finger, mit dem man auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf einen selbst.

Zur Kommunalwahl in Überlingen hat die Freie Presse Bodensee stattzeitung.org alle Neubewerber für den Gemeinderat aus allen Parteien dazu eingeladen, sich vorzustellen und ihre Ambitionen für die Stadt zu erklären. Diese Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 5. Juni ab 18 Uhr im Hof Neuhaus (Apfelzügle) statt. Leider findet sich offensichtlich keiner außer den Kandidaten der AfD bereit, den interessierten Bürgern, die diese Veranstaltung besuchen werden, Rede und Antwort zu stehen. Es ist dies insofern bedauerlich, als dass diese Entscheidung der im Stadtrat vertretenen Parteien einen neuerlichen Tiefpunkt in Sachen Dialogbereitschaft, und Ausgrenzung ganzer Bürgerschichten bedeutet. Lediglich die Freien Wähler und die CDU wahrten wenigstens den guten Ton der Höflichkeit, beantworteten die Einladungsmail und sagten schriftlich ab. Die Absage der LBU/die Grünen enthält einen inakzeptablen Wortlaut, den wir von unserem Rechtsanwalt gemäß Paragraf 186/187 StGB (Üble Nachrede) überprüfen lassen, und gegebenenfalls Anzeige erstatten.

Die AfD wird mit ihren fünf Bewerbern am 5. Juni 2024 um 18 Uhr im Hof Neuhaus präsent sein, die Kandidaten für den Überlinger Gemeinderat werden sich gerne vorstellen, und ihr Wahlprogramm erklären. Moderiert wird diese Veranstaltung von Stef Manzini, der Eintritt ist frei, es kann verzehrt werden, für das leibliche Wohl sorgt die Familie Roth.

Wie will man denn künftig am Ratstisch die Geschicke der Stadt lenken, wenn man vorab noch nicht einmal miteinander redet?

Alle demokratischen Bewerber um das Amt am Ratstisch, die eine eigene Entscheidung treffen möchten und am Mittwoch zur Veranstaltung der stattzeitung.org noch kommen wollen, sind nach wie vor herzlich willkommen. Abqualifizierung bestimmter politischer Mitbewerber, oder Belehrungsversuche, wer wählbar ist und wer nicht, wie schon geschehen an anderer Stelle in Zeitung und Theater, erwarten Sie im Hofgut Neuhaus vergeblich. Der mündige Bürger entscheidet selbst, wir machen ein Angebot zum Dialog, das ist alles.

Es mag im Deutschland 2024 schwierig geworden sein, erst einmal ohne Schaum vor dem Mund einem politischen Mitbewerber zuzuhören und sachliche Argumente vorzubringen- aber genau das erwarten viele Bürger. Gerade am Ratstisch einer kleinen Stadt wird keine Weltpolitik gemacht, sondern über Dinge entschieden, die den Bürger ganz direkt betreffen. Das kann nur gelingen, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet.

Dazu laden wir alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, und alle Kandidaten, ob gelb, rot, schwarz, grün oder blau und auch hellblau ganz herzlich ein.

stattzeitung.org sieht diese Veranstaltung als einen Beitrag zur Verständigung und zur Normalität in unserer Stadt. Wir möchten statt Brandmauern und andere Mauern, vor die man prallt, lieber Brücken errichten, über die wir alle gemeinsam gehen können.



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Kommentare

Kommentar von Gerhard Fischer |

Wie oben, so unten. Die Vergiftung hört nicht auf.
Hatte wenigstens gehofft, dass sich alle Kandidaten gemeinsam präsentieren, ohne Diffamierung der jeweiligen Gegner.
Liegt es daran, dass diese VA durch die stattzeitung präsentiert wird oder wie ich vermute, haben die Kandidaten, die dies nicht wollen, einen Maulkorb verpasst bekommen?
Liegt es daran, dass die Lokalität für manche nicht genehm ist?

Echt, ich habe keine Lust, die Kandidaten an 1000 Orten zu besuchen und zuzuhören, was sie für die Stadt tun wollen.
Sie alle haben die Bringschuld sich gemeinsam vorzustellen.
Wenn sie dazu nicht bereit sind, dann ist das einfach undemokratisch.

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