100 für Frieden. Rechthaberei statt Rechtsextrem.

von Stef Manzini (Kommentare: 0)

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Samstagmorgen in Überlingen. Aprilwetter. Da war noch was. Friedensdemo. 100 Menschen wollen Frieden, dafür stehen sie in Regen, Wind und Hagel. Auf die Frage: “Warum sind da nicht mehr?” könnte man drei Antworten geben:

  • A: Nichts gewusst.
  • B: Regen.
  • C: Frieden egal.

Ganz ehrlich, A oder B wären mir am liebsten. Halt, ein Grund bleibt noch, schaue ich zurück auf die 1.500 Menschen, die an einem anderen Samstag gekommen waren, um gegen AfD und “Rechts” zu demonstrieren. Und dieser Grund heißt, so ahne ich, leider nicht schönes Wetter.

Brandmauern. Oberbürgermeister Zeitler und viele Stadträte, auch der "grüne“ Landespolitiker, waren an jenem Samstag im Winter auf die Seepromenade gekommen, um gegen etwas zu demonstrieren, was sie "Rechts“ nennen. Es war die Zeit der "Bauern-Demos“, und Wirtschaftsminister Robert Habeck traute sich nicht von einer Fähre, um mit denen zu reden, die in diesem Land Probleme haben. Sie erinnern sich? Die "Bauern-Demos“ wurden abgelöst von den orchestrierten Aufrufen gegen das viel größere Problem, das uns allen tagtäglich in Deutschland das Leben schwer macht. Die AfD. Die AfD muss vernichtet werden. So will es die Ampel- und die CDU, die will es auch, die will die AfD-Wähler. Hilfe vom Bürger tat also Not, und der spielte brav mit.

Als ich Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler damals auf der "Wir sind die Demokraten-Demo“ fragte, warum er nicht auch einmal bei den Montags-Spaziergängern vom "Demokratischen Widerstand" vorbeischauen würde, die stünden schließlich Montag für Montag für Grundgesetz und Selbstbestimmung auf der Hofstatt und hätten die Demokratie doch schon in ihrem Namen, nannte er terminliche Gründe als Verhinderung. Ich versprach dem OB ihn gelegentlich daran zu erinnern. Nun, Herr Zeitler, wo waren sie, denn es war wieder Samstag? Es fehlte mit Zeitler die komplette Stadtspitze, nur die Gemeinderäte Monika und Roland Biniossek waren gekommen, und brachten einen bemerkenswert kritischen Artikel der Berliner Zeitung über Robert Habeck auch zum Thema Waffenlieferungen in die Ukraine mit. Ja, man kann kritische Artikel finden, sogar im Mainstream, und sowieso in der stattzeitung.org. So man das nur möchte.  Das blamable "schwänzen“ der Kommunalpolitik ist für mich ein Armutszeugnis meiner Stadt- eine Überraschung ist es nicht.

Ich traf eine flüchtige Bekannte auf dem Weg zur Demo und fragte sie, ob sie nicht mitkommen wolle. Nein, da stehen doch Impfgegner, und manche von denen sind auch AfD, und "Rechts“, antwortete sie prompt. Ja, und ich habe gehört, manche von denen haben Teddybären im Bett, die eine Ähnlichkeit mit Wladimir Putin haben, antwortete ich zugegebenermaßen kurz angebunden.

Echt jetzt?

Brandmauern, die in "Corona“ hochgezogen wurden, stehen auch heute noch überall- auch in Überlingen. Diese Mauern können nur eingerissen werden von denen, die sie freiwillig in ihre Köpfe gemauert haben. Das wird dauern. Denn nichts ist so schwer als Fehler einzugestehen. Längst ist bewiesen, dass die "Corona-Impfung“ und der "Lockdown“ viel Schaden angerichtet hat. Längst ist klar, dass die Ukraine diesen Krieg nicht gewinnen kann. Die Toten in beiden Fällen sind leider der lebendige Beweis für einen Irrtum, von dem man sich jetzt nicht mehr verabschieden will. Ja, es ist der Wille der Massen, der in der Politik seine Entsprechung finden kann, ein Wille, der das größte und mächtigste Land der Europäischen Union zum Friedenstreiber macht- oder zum Kriegstreiber. Bei unserer Vergangenheit verstehen Sie bitte, dass ich unbedingt für das erstere plädiere. Nicht weil ich allwissend bin, aber es liegt meinem Herzen näher. Mein Verstand sagt mir, Krieg bringt Tod und Verwüstung, ganz egal in welcher Absicht er geführt wird.

Keine blauen AfD-Fahnen, keine politischen Statements, nur Lieder und Worte für den Frieden, und Bürger, die dafür im Regen stehen, das war die Friedensdemo in Überlingen am 20. April 2024. Herr Zeitler, Stadträtinnen und Stadträte, sie alle kamen zum Christopher Street Day (CSD) und stehen damit für Gender-Vielfalt in Überlingen. Sie verteidigten unsere Stadt gegen die feindliche Übernahme durch Rechtsextreme, freilich ohne das es diese gegeben hat. Bloß auf eine Friedensdemonstration zu kommen, dafür fehlt ihnen offensichtlich der Mut. Oder hatten sie tatsächlich Angst vor den hölzernen weißen Friedenstauben, die ihr Presseorgan vor zwei Jahren bereits völlig deplatziert und mutwillig als "Allzweckwaffen“ bezeichnet hatte?

Liebe Kommunalpolitiker in Überlingen, verlassen sie den Pfad der Ausgrenzung und der Spaltung. Tun sie endlich das, wozu sie sich verpflichtet haben, für alle Bürger ihrer Stadt da zu sein. Bis jetzt sind sie ein schlechtes Beispiel für den respektvollen Umgang auch mit denjenigen, die vielleicht anderer Meinung sind wie sie. Sie wollen gegen "Rechts“ sein? Verwechseln sie das nicht mit Meinungsvielfalt?      

Ein Landwirt, ein Musiklehrer und eine Erzieherin hatten zur Friedensdemo aufgerufen. Sie machten selbst das Programm. Sprachen von Wahrheit und Liebe- und dem Wunsch nach Frieden als Ausdruck aller Menschlichkeit. Die Organisatoren, ihre Unterstützer und jeder einzelne Mensch, der Wind, Regen und Hagel trotzte, sind ein Fest für die Bodenseestadt. Diese Menschen machen mit ihrem Dasein, mit ihrem Einstehen für Frieden statt Krieg, für Menschlichkeit statt Vernichtung, für Teilen statt Herrschen, Überlingen zu einem menschlicheren Ort.

Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bemächtigen. -Immanuel Kant-

Das kurze Interview im Rahmen der Demokratie-Demo am 20. Januar 2024 stellen wir Ihnen hier nochmals ein, den Artikel mit allen Interviews finden Sie unter "Verbale Angriffe gegen freie Journalistin. Buhrufe für Bauern-Vize. Das war die Demokratie-Demo.".



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