Die Bauern und die AfD.

von Stef Manzini (Kommentare: 0)

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  • AfD-Kreisverband Bodensee brachte Landwirte, Experten und Alice Weidel nach Ittendorf.
  • AfD-Spitze sagte Symposium “Landwirtschaft” und Hofbesuche zu.
  • Kleine Veranstaltung mit großer Prominenz und großer Wirkung.
  • Die Probleme der Landwirte trafen auf offene Ohren der Politiker.
  • AfD-Vorsitzende kommen am 21. Mai in die Stadthalle nach Markdorf.

Es ging um die Bauern- um die, die mit der AfD kein Problem haben. Für ihn gebe es keine unsinnigen Brandmauern, vielmehr gelte es nun, einen politischen Arm für die so arg Gebeutelten zu finden. Genau den gibt es bei den Ampelparteien nicht, und auch nicht mehr in der CDU, so Hubert Lehle ein Obstbauer vom See. Man hat doch nur darauf gewartet, dass sie alle wieder auf die Felder gehen, und jetzt setzt man alles um, was ihnen schadet, keiner hält sich mehr an Versprechungen, so dazu Peter Felser, AfD-Bundestagsabgeordneter aus dem Allgäu. Es war Obstbauer Lehle, der seine Bitte direkt an die Parteispitze stellte. "Wir brauchen ein Symposium Landwirtschaft, so wie sie es im Bundestag im Winter zu "Corona“ auch gemacht haben.“ Die Spitze höchstselbst, in Persona Alice Weidel, sagte zu, und verlieh damit ihrem Wort vom dringlichen Anliegen, das sie im Dialog mit den Bauern sehe, auch gleich Ehrlichkeit und Gewicht. Die Spitzenpolitikerin will auch Höfe besuchen, um sich noch nähere Einsichten in die vielschichtigen Probleme der hiesigen Landwirtschaft zu verschaffen. "Melden sie sich bitte bei meinem Büro, und wir kommen sehr gerne zu ihnen“, so Weidel. Das kam gut an bei den rund 150 Gästen im Saal, von denen der überwiegende Teil, wie eine Handprobe bewies, tatsächlich auch Landwirte waren. Frank Rinck, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Niedersachsen und selbst Landwirt, sprach über Weltmarktpreise, zu denen kein deutscher Bauer produzieren könnte. "Es braucht keinen Mindestlohn, es braucht eine massive Senkung der Steuer und Sozialabgaben“, dafür erntete der dynamische und auch sympathisch wirkende Mittdreißiger viel Beifall. Peter Felser, der zackige Praktiker aus dem benachbarten Allgäu sprach davon, dass die Meinungsfreiheit von der herrschenden Politik gekapert wurde. "Ihr hattet alles Recht auf die Straße zu gehen, und einmal ehrlich, die Verbände haben euch verraten“, auch dafür gab es viel Szenenapplaus, denn Felser traf den Nerv der Zuschauer. Beide, Felser und Rinck hielten Impulsvorträge, die nicht zu tief in Detailfragen der Landwirtschaft eindrangen, sodass auch Laien sie verstehen konnten.

Infomaterial mit Abdruck der Petition von gleich acht Interessensverbände rund um den Bodensee, darunter der Maschinenring Tettnang, oder die Obstregion Bodensee zur "Agenda Zukunft-Landwirtschaft“, mit all den vielfältigen Problematiken und Lösungsansätzen, standen den Anwesenden jedoch zur Verfügung.

Frank Rincks Beiträge zu Wölfen betrafen eine Problematik aus seinem Bundesland Niedersachsen, das, so Rinck, die größte Wolfsdichte in ganz Europa habe. In diesem Zusammenhang wies er ganz richtig auf die Bedrohung von Deichschafen durch den "Wolfriss“ hin. Im Bodenseeraum gibt es jedoch wenig Vorfälle mit lediglich durchwandernden Wölfen. Zu Frank Rincks Hinweis auf Waldkindergärten sei an dieser Stelle angemerkt, dass es viermal mehr tödliche "Unfälle“ zwischen Mensch und Kuh, als zwischen Mensch und Wolf in Deutschland gibt. Genau vier zu null. Alice Weidels Einruf daher wohl der einer besorgten Mutter, aber dennoch bisher zum Glück unbegründet.

Wann immer der große Woody Allen, Schauspieler, Komiker und passionierter Jazzmusiker, die große Bühne gegen einen kleinen Jazzclub in Downtown-New York tauschte, wurde er nahbar- und begeisterte seine Fans, die ganz unverhofft mit ihm auf Tuchfühlung den Abend verbrachten. Nun ist die "Chefin“ der AfD weder Komödiantin, na vielleicht ein kleines bisschen schon, denn diese Qualität macht die Arbeit im Deutschen Bundestag zuweilen sicher besser erträglich, noch große Musikerin- aber sie ist mit Sicherheit wesentlich öfter auf Augenhöhe mit ihren Mitmenschen als der Hollywood-Neurotiker. Wenn Alice Weidel auf Tuchfühlung geht, schafft sie Sicherheitslagen. Sie tut es dennoch. "Ich komme so gerne hier her und spreche mit euch“, sagte die Spitzenfrau der AfD zu den Anwesenden einer "kleinen“ Veranstaltung in Ittendorf im Bodenseekreis. Die Co-Vorsitzende der AfD hatte eigentlich vorgehabt, ihr Erscheinen nicht groß bekanntzumachen, das klappte nicht ganz, aber so blieb der ganz große "Run“ auf die Veranstaltung aus, was beabsichtigt war. Denn genau ein direkter Dialog mit den Landwirten der Region hatte der AfD-Kreisverband geplant. Weidels unprätentiöser Auftritt kam gut an bei den Landwirten, das merkte man am langen Applaus für die Bundesvorsitzende und Wahlkreisabgeordnete für den Raum Bodensee.

Es war dies vermutlich einer der eher seltenen Tage, an denen Mutter und Vater Weidel ihre Tochter, wenn auch nur auf der Bühne, einmal zu sehen bekommen. Der Terminkalender der AfD-Frontfrau dürfte übervoll sein mit Terminen in Heilbronn, Rottweil und Donaueschingen, und vielen weiteren mehr. In einem der seltenen, nicht vom zahlreichen Sicherheitspersonal verstellten Augenblicke, wechselten Mutter und Tochter ein schnelles Lächeln. Mit ihrem Erscheinen in Ittendorf tut Alice Weidel genau das, was man von vielen Politikern vermisse, denn die wären ja dazu viel zu abgehoben, deshalb wähle er die nicht mehr- so ein Besucher des Abends. Wen er stattdessen wählt, verriet der Landwirt aus Meersburg allerdings nicht.

Fionn Barnes, ein Demeter-Bauer aus dem Linzgau wollte von Weidel ganz direkt wissen, ob sie über den bundesdeutschen Tellerrand hinausblicke und große Agenden hinter den vielen Teilaspekten sehe. Landwirtschaftsmeister Barnes ist gebürtiger US-Amerikaner und bemerkt seit langem eine "globale Agenda“. "Ich wünschte mir, ich könnte Ihnen widersprechen, aber ich kann es nicht, antwortete ihm die AfD-Chefin. Pandemie-Management, RKI-Protokolle, der neue WHO-Pandemie-Vertrag, nannte Alice Weidel Beispiele dafür. Im Ukrainekrieg sieht die Bundestagsabgeordnete mit Wahlkreis Bodensee einen Verschleißkrieg gegen Russland, Deutschland sei dabei der finanzielle Hauptverlierer, so die promovierte Ökonomin. Deutschland befinde sich aktuell in einer Art "DDR 2.0“, aber sie wolle auch Hoffnung machen, so eine optimistische Bundespolitikerin. Schaue man auf die Historie der Welt, so erhalte man eine kleine Ahnung von dem winzigen Zeitfenster, in dem wir lebten. Es sei aber auch die Zeit der großen Umbrüche, denn alles, was zu extrem auf die eine Seite schlägt, schlage irgendwann auch wieder auf die andere- und pendele aus in eine neue Balance. Fast philosophisch, auf jeden Fall weit über das Feld "Landwirtschaft“ hinausgehend war die Frage und Dr. Alice Weidels Antwort- und das hatte der Demeter-Bauer wohl beabsichtigt. Für Fionn Barnes sind die Auswirkungen auf die Landwirtschaft nur ein Ausdruck eines globalen Versagens, das Krieg an die Stelle von Frieden setzt- und gegen alles Mögliche ankämpfte, anstatt die Schönheit der Schöpfung zu bestaunen und andere Wege als die deren Vernichtung zu suchen. Alice Weidel folgte dem philosophischen Bauern mit einer Ernsthaftigkeit, die nichts mit bloßen Phrasen zu tun hatte.

Natürlich gab es seitens der AfD-Politiker auch viel "Wahl-Slogans“, aber insgesamt gesehen ging es um die Landwirtschaft, und die sachliche Qualität und Freundlichkeit, mit der alle Anwesenden diskutierten und nach Möglichkeiten suchten, hob sich angenehm von einer "Belehrungsveranstaltung“ gegenüber den Bauern, verübt vom Landesvater Kretschmann in Biberach ab. Links zu betreffenden Artikeln zur Bauern-Demo und Kretschmanns Auftritt in Biberach am Ende dieses Artikels. Was die am 18. April 2024 in Ittendorf vor dem Gemeindehaus aufgezogenen "Omas gegen Rechts“ nun dagegen haben, dass Bauern und AfD-Politiker sich unterhalten, erschloss sich nicht. Die Aktivisten gegen "Rechts“ wurden vom Mainstream-Medium gebührend gewürdigt. Sie äußerten darin ihr Befremden darüber, dass man der AfD einen Raum für eine Veranstaltung vermietet, und bemängelten die Kosten für den Polizeieinsatz. Die Anliegen der Bauern spielten in der Berichterstattung der Lokalzeitung eher keine Rolle.

Christoph Högel, Detlev Gallandt und der Kreisverband Markdorf, dessen Sprecher Andreas Piekniewski eine sehr pointierte und charmante Einführungsrede hielt, können mit dem Ausnahme-Abend sehr zufrieden sein. Der AfD liegen die Kommunalwahlen sehr am Herzen, so die Co-Vorsitzende, an diesem Abend wurde deutlich wie sehr.

stattzeitung.org wird, falls möglich, die AfD-Politiker auf ihrer Rundreise zu den Höfen gerne begleiten, und dann auch tiefer in die Thematik einsteigen. Wie ein Beispiel aus Großbritannien zeigt, ist genau das Wohlergehen der Landwirte für die Ernährung der Bevölkerung von elementarer Wichtigkeit. Noch erwirtschaftet die "Leuchtturm Landwirtschaft“ auf der Insel rund 60 Prozent der Ernährung, das allerdings bei einem BIP von nur 0,8 Prozent, vergleichbar mit Deutschland. Jetzt soll eine Bäuerin mit 300 Milchkühen auf ihrem Land Bäume pflanzen, statt Futtermittel anzubauen, und den Rinderbestand reduzieren- schlachten. Man errät die Begründung: "Klimaziele erreichen“. Vielleicht kann es helfen, den verantwortlichen Politikern Bäume zum Essen vorzusetzen. Ach nein, die essen ja lieber Würmer... Der AfD ist am 18. April 2024 in Ittendorf jedenfalls eine gute Veranstaltung mit einem schlichten und ergreifenden Konzept gelungen. Sie hat, statt über die Landwirtschaft zu reden, mit den Landwirten gesprochen.

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