Aschermittwoch Biberach. Pöbelte hier die Polente?

von Redaktionsteam (Kommentare: 14)

Michael von Lüttwitz und Stef Manzini

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  • Grüner Aschermittwoch in Biberach. Bauern zu Unrecht am Pranger.
  • Die Kehrseite der Berichterstattung in den Leitmedien. Augenzeugenbericht des stattzeitungs-Reporters vor Ort.
  • War die Situation so, wie in den Leitmedien geschildert?
  • Wer verursachte die Gewalt in einer Seitenstraße?
  • Wollen Leitmeiden überhaupt ein reales Bild vermitteln?
  • Haben Abgeordnete den Kontakt zu kritischen Menschen verloren?

Die Leitmedienlandschaft ist sich einig, die Proteste vor der Stadthalle in Biberach anlässlich einer Grünen-Kundgebung zum Aschermittwoch waren unangemessen. Der SWR (Südwestrundfunk) berichtet gar, dass Politiker von einer Grenzüberschreitung gesprochen haben.

Doch war es tatsächlich so? Ging die dargestellte Gewalt von den Demonstranten aus oder hat die Polizei durch unverhältnismäßige Maßnahmen die Stimmung aufgeheizt? Hat die geschickte Themenauswahl der Leitmedienberichterstattung ein solches Bild provoziert? Warum wurde die Kundgebung der Grünen abgesagt? Ein Polizeisprecher des Fernsehsenders Phönix und der Kreisverbandsvorsitzende der Grünen gaben unterschiedliche Statements ab, und das von der Bundestagsabgeordneten des Biberacher Wahlkreises war nochmals anders, sie bezeichnete die Menschen vor der Halle gar als Meute. Wie hat sich die Situation aus der Sicht eines Nichtleitmedien-Pressevertreters dargeboten? – Eine kurze Skizzierung.

Die Bauern nutzten die Aschermittwoch-Kundgebung der Grünen für Proteste gegen die existenzzerstörende Politik der Ampel, wofür im Bereich der Landwirtschaft und generell der Wirtschaft die "Grünen“ federzeichnend sind. Zu Bauernprotesten gehört ein Misthaufen, und der war auch vorhanden, gespickt mit zahlreichen Plakaten, welche die große Diskrepanz zwischen grünen Wahlversprechen und grüner Politik offenkundig werden ließen.

Vor der Stadthalle warteten Bauern und andere Menschen aus der Mitte der Gesellschaft auf Einlass in die Stadthalle, um der Aschermittwoch-Kundgebung beizuwohnen. Die Polizei sperrte den Zugang zur Halle ab. Das Polizeiaufgebot war zusammengestellt aus reserviert wirkenden, ausgesprochen jungen Polizisten vermischt mit älteren, kontaktoffenen Beamten. Die Stimmung dort war von einem respektvollen Miteinander getragen. Es gab keinerlei Gewaltaktionen oder andersartige Übergriffe. Die Menschen warteten geduldig auf Einlass in die Stadthalle, um an der Kundgebung teilnehmen zu können. Darüber hörte man in den Berichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nichts.

Der Schwerpunkt der Berichterstattung dieser Leitmedien, von nicht wenigen als Propaganda- und Staatsmedien bezeichnet, lag auf dem Geschehen in einer Seitenstraße zur Stadthalle. Dort bahnten sich laut SWR zwei Fahrzeuge des Bundeslandwirtschaftsministeriums in einer Leerfahrt! den Weg durch die Menschenmenge. Eskortiert wurden sie durch eine schlagkräftige, bestens dafür ausgestattete Polizeitruppe. Warum? Ausschreitungen gab es keine bis zu dem Moment, als beim Polizeitrupp wie bei einer orchestriert wirkenden Absprache die Schlagstöcke angehoben wurden. Dann wurde vehement in die Menschenmenge vorgestoßen, die sich bis dahin lachend und scherzend unterhielt. Aus dem Rückraum der Polizeiaufstellung sprühte zu allem Überdruss ein Beamter ziel- und wahllos Pfefferspray in die gewaltfreie Menge und nahm Körperverletzungen billigend in Kauf. Seine Kollegen hinderten ihn daran nicht, sodass er diese Attacke noch mehrmals durchführte. Inzwischen wurde Strafanzeige gegen diesen gewalttätigen Polizisten gestellt.

Mir als Pressevertreter wurde von einem Polizisten während der Gewaltaktion, der anfangs völlig normal agierte, angedroht, dass er mir meinen Fotoapparat zerschmettert, worauf ich ihn in die rechtlichen Schranken wies. Fast zeitgleich kam ein anderer Beamter und schrie mich an, ich solle hinter die Absperrung gehen, obwohl überhaupt keine Absperrung vorhanden war. Ich fragte mich wiederholt, warum die Polizeibeamten die Aktion eskalieren ließen.

Im Fernsehen sieht man eine Szene, wie Demonstranten Steine auf die Straße warfen. Kommentiert wurde, es sollten die "Grünen-Redner“ blockiert werden. Erstens waren überhaupt keine "Grünen-Redner“, sprich Politik-Prominenz, in den beiden Leerfahrzeugen, zwei der vier Redner sind erst gar nicht erschienen, und zweitens geschah diese Blockade erst, nachdem die Polizei vollkommen unverhältnismäßig mit Pfefferspray und Gewalt gegen die demonstrierenden Menschen vorging und damit die Stimmung unnötigerweise aufheizte. Das wird wohlweislich in den Fernsehbildern verschwiegen. Nicht Lügenpresse ist angesagt, sondern Tatsachen ignorierende Verschweigungspresse scheint die Realität zu sein, wodurch ein verfälschendes Bild in der Öffentlichkeit entsteht.

Bei der Tagesschau wird etwa behauptet, ein Fenster der Zweierfahrzeugkolonne wurde eingeschlagen. Auf Videos der Demonstration sieht beziehungsweise hört man, wie es bei der Autoscheibe knackt, als ein Polizist daran vorbeiläuft. Auf einem anderen Video sieht man einen Gegenstand fliegen, nicht aber seinen Landepunkt. Der Verursacher des Scheibenbruchs, Wurfgeschoss eines Demonstranten oder Polizisten, ist zumindest zum Zeitpunkt der Berichterstattung unklar und hätte der Klärung bedurft. Darauf geht die Berichterstattung der Leitmedien nicht ein.

Es stellt sich auch die nicht unerhebliche Frage, weshalb Leerfahrzeuge des Landwirtschaftsministeriums sich durch eine enge Straße direkt an der Stadthalle ihren Weg bahnen müssen, und weshalb gerade dort eine schlagkräftige Beamtentruppe zur Stelle war. War das Absicht? Setzte man gezielt auf Provokation? Die Fahrzeuge mit der polizeilichen Einsatztruppe hätten auch einen anderen Weg, abseits der Stadthalle einnehmen können!

Als Fazit kann ich feststellen: Live dabei zu sein und eine Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten darüber zu sehen und hören, sind zwei verschiedene Welten. Demonstranten werden dabei mutwillig in Kategorien eingeordnet und im Saal der Stadthalle sogar als Meute von der grünen Bundestagsabgeordneten der Grünen diskriminiert. Der Gute im Land ist nicht der Demonstrant, sondern stets der Staat beziehungsweise die Regierung. Um dieses immer und immer wieder im Stile einer Endlos-Propaganda zu demonstrieren, eignen sich Demonstrationen besonders gut, bei denen man geschickt durch entsprechende Berichterstattung ein Bild der Öffentlichkeit bieten kann, das kritische Teilnehmer ganz anders empfinden und sehen. Es sei denn, es sind die orchestrierten Demonstrationen gegen eine vermeintlich "rechte Gefahr“, da scheint so ziemlich alles erlaubt, da zweckdienlich.

Lesen Sie, liebe stattzeitungs-Leserin, lieber stattzeitungs-Leser, hierzu auch den Bericht "Pfefferspray gegen Bauern. Aschermittwoch der Grünen in Biberach abgesagt." und den Kommentar "High Noon in Biberach.".



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Kommentare

Kommentar von Claudi |

Vielen herzlichen Dank, so sollte eine Berichterstattung aussehen.
Ich war vor Ort und sehe das genau gleich.

Kommentar von Julia |

Endlich mal ein Bericht, der real ist 👌🏼 danke dafür!

Kommentar von Georg Meyer |

Diese inszenierte Berichterstattung der öffentlichen Leitmedien zu den Demonstrationen in Biberach passt sehr gut zu einer kürzlich ebenfalls manipulierten Demonstration bei einem Besuch von Kanzler Scholz bei Rheinmetall im niedersächsischen Unterlüß. Dort wurde bei einer friedlichen Demonstration von Bauern ein einzelner vom ZDF mitgebrachter Demonstrant mit einem großen "Pro-Kriegs-Bewaffnung“ Tafel für Fernsehaufnahmen vor die Demonstranten positioniert. Das wurde nach kurzer Zeit von den Bauern und dieser "Maulwurf“ wurde unter Polizeischutz vertrieben!

Kommentar von Stefan Berther |

Vielen Dank für die ehrliche Berichterstattung, ich war dabei und kann das hier Beschriebene nur bestätigen. Das die Mainstreammedien, das zu ihren Gunsten umdichtet und schändlich machen, ist keine Überraschung, sondern von vorne rein klar gewesen.

Kommentar von Elke +Franz Steinhart |

Das entspricht genau unserer Wahrnehmung, nach der Berichterstattung hatten wir den Eindruck auf der falschen Kundgebung zu sein.
Elke und Franz Steinhart

Kommentar von Gotthard Geisser Ummendorf |

Ich gehörte zu den Leuten, die die Veranstaltung besuchen wollten. Ich wartete ab 10:00 Uhr im Bereich des östlichen Zuganges auf Einlass. Dort war die Situation wie folgt. Ohrenbetäubender Lärm durch ständige Kompressorfanfare, Landwirte, die Strohballen in der Grünanlage verstreuten und rauchend sich auf Strohballen setzten. Ständiger Motorsägenlärm vor dem Haupteingang, welcher von Landwirten blockiert wurde.
Dazu noch alkoholisierte Landwirte mit Bierflaschen in der Hand. Das Ganze ohne Polizei, aber eine sehr aufgeheizte Stimmung.
Und sprechen sie von friedlichen normal verlaufenden Protesten welche durch den Einsatz der Polizei eskalierte.
Das sehe ich vollkommen anders. Sie sollten sich schon alle Seiten genauer anschauen.
MfG Gotthard Geisser
P.S.: um11.00 Uhr bin ich gegangen

Kommentar von Annemarie Hartmann |

Vielen Dank für diese ehrliche Berichterstattung, ich habe somit eine andere Meinung und Ansicht über diese Aktion in Biberach.

Kommentar von Dr. Aaron W. Baur |

Vielen Dank für diese ehrliche und authentische Berichterstattung. ENDLICH mal jemand, der nicht lügt, betrügt, hetzt und Wahrheit verdreht.

Ich habe den folgenden Leserbrief am Donnerstag, 15.02.2024, an die Redaktion der "Schwäbischen Zeitung" gesendet. Wenig überraschend hätte ich mir das sparen können, abgedruckt wurde er natürlich nicht. Aber dann vielleicht hier.

Leserbrief zu "Politischem Aschermittwoch der Grünen in Biberach"

Der gestrige Tag vor der Stadthalle in Biberach war in der Tat "ein schwarzer".
Ein schwarzer Tag, aber nicht, weil Demonstranten ihrem Ärger mit ausufernder Bürokratie, ideologischem Politikirrsinn und einem Deutschland auf dem absteigenden Ast Luft machen wollten. Ein schwarzer Tag stattdessen, weil allen, die wie ich wirklich vor Ort waren und danach die Berichterstattung in Radio, TV, und online- wie offline-Medien verfolgt haben, die Haare zu Berge stehen mussten:
Die Lage vor Ort wurde völlig anders dargestellt, als sie wirklich war. Nur einige Beispiele: Nach Sichtung von Videomaterial gibt es erhebliche Zweifel, dass das Loch im rechten hinteren Seitenfenster des Begleitmercedes von Demonstranten verursacht wurde, und nicht wie auch vor Ort in Biberach direkt kommuniziert, versehentlich durch den Schlagstock eines um sich schlagenden Polizisten. "Mehrere verletze Beamte" waren, wenn dann "Kollateralschäden" durch das wilde Herumspritzen der eigenen Kollegen mit Pfefferspray auf "im Weg stehende" Bürger, und sicher nicht durch die Demonstranten an sich. "Grenzen überschritten" wurden von den dort eingesetzten Polizisten, die mit Schlagstöcken auf eine Menge Leute eindrosch, die nach hinten in der engen Gasse seitlich der Stadthalle einfach nicht wegkonnten. In dem Fall aber wenig überraschend: Zum Großteil waren dies keine Biberacher Beamten, sondern Kräfte von auswärts, u.a. auch als "Göppinger Schlägertrupp" bekannt.
Von Focus über SPIEGEL, ZEIT über die Schwäbische Zeitung: Kaum ein Reporter ist selber vor Ort, es werden falsche Agenturmeldungen (vermutlich unter Nutzung von KI) etwas umgeschrieben und ansonsten ohne Reflexion und Verstand weiterverbreitet. Man kann von den Bauern-, Mittelstands- und Bürgerprotesten halten was man mag. Eines sollte aber Konsens sein: Die Medien haben die Fakten zu berichten, und nicht das, was den herrschenden Politikern und ihrem Narrativ gerade gelegen kommt.
Für unsere Medien wie für unsere Politik wünsche ich mir daher wieder den eindeutigen und unbedingten Willen zur Wahrheit. Ohne Ideologie, ohne eigene Interpretation, basierend auf Fakten - wie das früher einmal im Land der Dichter, Denker (und Ingenieure) der Fall war.

Kommentar von Huber, Anton |

Was musste ich als friedlicher, Flügelhornspieler, Mensch in den letzten 27! Jahren alles erleben. Es ist Vorsatz!
Gewaltenteilung gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
Viele Grüße

Kommentar von Huber, Anton |

Kommentar von Gotthard Geisser Ummendorf | 18.02.2024
Sehr geehrter Herr Geisser,
ich verstehe Ihren Ärger, dass Sie nicht reindurften, aber war da überhaupt jemand drin oder war das Ganze nur eine Show?
Das mit dem Bier finde ich gut. War es etwa alkoholfrei?
Ich sehe in so einer Äußerung schon eher Ihre Verärgerung als dass dies (Bier) auch nur irgendeine Rolle verglichen mit den wirklichen Problemen der Bauern gespielt hätte. Außerdem waren alle großartigen CSU-Veranstaltungen (vor allem bei FJS) immer mit Maßkrügen abgelaufen.
Sind Sie selber Bauer?
Mit freundlichen Grüßen
Anton Huber

Kommentar von Merkt Bernd |

Wir werden jeden Tag von den Medien belogen!!

Kommentar von Gabri Schne |

Liebe Frau Manzini,

ich danke Ihnen, dass Sie der Wahrheit entsprechend über die Bauernproteste in Biberach am Aschermittwoch berichtet haben. Wenigstens einer! Danke vielmals!

Kommentar von Gabriele Brömel-Zubel |

Danke für den guten Bericht, ich war selber dabei und kann das bestätigen.
Anstatt den Bauern die Schuld in die Schuhe zu schieben, sollten die Grünen in Biberach mal in sich gehen.
Bereits um 10 Uhr standen viele Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern vor der Stadthalle und warteten auf Einlass. Die Absage der Veranstaltung erfuhren wir aus dem Liveticker der Schwäbischen Zeitung. Die Grünen hielten es nicht für notwendig, die draußen Wartenden zu informieren. Später beklagt die Grünen mangelnde Dialogbereitschaft. Heuchelei.

Kommentar von Karl Hensinger |

Danke für die neutrale Berichterstattung. Es wird einem klar, in welche Richtung uns die Medien drängen wollen.

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