Patrik Baab. Der Ukraine-Russland-Konflikt aus dem Blick des Kriegsreporters.

von Michael Freiherr von Lüttwitz (Kommentare: 1)

Klick auf Bild für Großansicht

  • Vortrag am 9. Januar in Wangen-Karsee sprengte die Platzkapazität der Veranstaltung.
  • Patrik Baab stellte sein neues Buch “Auf beiden Seiten der Front” vor und Dr. Rainer Rothfuß, Geograf und AfD-Bundestagsabgeordneter moderierte die Veranstaltung.
  • Weitgehend verschwiegene Hintergründe des Konflikts wurden aus Sicht des Augenzeugen geschildert.
  • Die Nato ist am Konflikt mit Russland interessiert, so das Fazit des investigativen Journalisten.
  • Vor allem der deutsche Bürger soll Kriegs- und Wiederaufbaukosten der Ukraine finanzieren.

Am 9. Januar 2024 wurde der Gasthof Adler in Wangen-Karsee im Allgäu zum Mekka derjenigen, die sich im Ukraine-Russland-Krieg nicht auf die Alleinmeinung der alten Medien und ihrer Experten verlassen wollen, sondern eine alternative Schilderung der Lage bevorzugen. Die Veranstalter hatten einen Nerv getroffen, denn das Interesse an genau solchen Direktreportagen ist groß, die Skepsis an der Alleinstellung der Meinungshoheit der Altmedien ebenfalls. Seine Sichtweise liefert der Journalist, Kriegsberichterstatter und Autor Patrik Baab, welcher die Kriegsgebiete der Ukraine genauso besuchte wie die Russlands. Von seinen Eindrücken berichtete er vor breitem Publikum, das den Veranstaltungssaal regelrecht sprengte, sodass eine Live-Videoschaltung in einen Nebenraum des Veranstaltungsortes eingerichtet werden musste. Organisiert hatten diese Veranstaltung Iris Cassier und Joachim Kaiser, auf Vermittlung von Julian Aicher, dem Neffen von Sophie Scholl.

Dr. Rainer Rothfuß (MdB der Partei AfD) moderierte gekonnt die Veranstaltung, indem er sozusagen im Zwiegespräch mit Patrik Baab die Problemfelder des russisch-ukrainischen Konfliktes ansprach, hinterfragte und kritisch beleuchtete. Der profunde Russland-Kenner Rothfuß machte sozusagen das Gegenteil dessen, was die deutschen Leitmedien der Bevölkerung einseitig amerikafreundlich, sprich russlandfeindlich unreflektiert auftischen. Ein exklusives Interview mit Patrik Baab mit stattzeitung.org finden Sie am Endes des Artikels.

Patrik Baab beleuchtete die geopolitischen Hintergründe der Ukraine, ohne die man das Geschehen im Kriegsgebiet nicht verstehen kann. Er berichtete von den extrem fruchtbaren Schwarzerde-Gebieten in der West-Ukraine für die Agrarwirtschaft inklusive Cannabis- und Tabakanbau, der für den größten europäischen Tabakschmuggel herhalten muss, und von den üppigen Bodenschätzen im Osten des Landes. Beherrscht werden die Gebiete von Oligarchen (Großunternehmer mit politischer Macht). Ihr Ansinnen ist nach Baab Geschäfte zu machen, und die gehen bestens, nicht zuletzt aufgrund der Ausbeutung des Humankapitals. Derartige gewinnbringende Möglichkeiten ziehen natürlich ausländische Investoren an. Baab machte deutlich, dass westliche Konzerne inzwischen Fuß in der Ukraine gefasst haben, was nur durch eine Umorientierung der ursprünglichen politischen Situation im Einklang mit Korruption möglich geworden war.

Der Journalist und Autor zeigte auf, dass alles im Grunde mit dem Maidan begann. Der Maidan war eine Revolution in der Ukraine, in welcher der bisherige russlandfreundliche Präsident Janukowytsch 2014 entmachtet wurde. Nach Baab ist es kein Geheimnis, dass an der ukrainischen Revolution die USA massiv mitwirkten. Der Volksaufstand war nach seinen Worten eine perfekt inszenierte Show und wurde von den USA finanziert. Mit besonderer finanzieller Unterstützungskraft trat dabei der amerikanische Multimilliardär und Investor George Soros hervor, wusste Baab zu berichten. Wer auf dem Platz des Geschehens nicht gemäß der amerikanischen Choreografie mitspielen wollte, wurde einfach weggeschickt, so der Referent. Es waren, laut Baab, sozusagen gekaufte Proteste.

Dass es nach dem Umsturz zum Krieg kam, hatte eine lange Vorgeschichte. Entscheidend war, dass laut Baab Putin auf die Nato zuging und eine neutrale Ukraine forderte. Dieses Verlangen lehnte die Nato unter Führung der USA ab. Letztlich wurden dann die russischsprachigen Gebiete im Donbass (Donezbecken) unter russische Kontrolle gebracht, inklusive der Krim. Analog der Vorgehensweise der Nato im Westen mit dem Kosovo wurde in den besetzten Gebieten der Ukraine jeweils ein Referendum durchgeführt, in welchen die größtenteils russischsprachige Bevölkerung selbstredend Russland angehören wollte und viele russische Ukrainer schon vor dem jeweiligen Referendum nach Russland auswanderten. Der Kriegsreporter, der bereits in Afghanistan und im Balkan-Krieg recherchierte, wies darauf hin, dass beim Kosovo-Konflikt Gregor Gysi (Linkspartei) davor warnte, dass das vom Westen initiierte Kosovo-Referendum Schule machen würde – er hatte Recht behalten, so Baab.

Der Vortragende hatte viele Interviewbeispiele parat von Menschen aus dem Kriegsgebiet, die nicht mit den in Deutschland propagierten Darstellungen konform gingen.  Er betonte jedoch stets, dass der Krieg eine unabhängige Schilderung der Lage sehr schwer und vor allem dann unmöglich macht, wenn sie von Schreibtischbewohnern in weisungsbefugten deutschen Redaktionsstuben angefertigt werden. So wunderte es nicht, dass seine Schilderungen so ganz und gar nicht in die westliche Kriegspropaganda passten.

Russland wird die Donbass-Gebiete und die Krim nicht zurückgeben. Das ist der unumstößliche Eindruck von Baab. Dafür spricht, dass Putin in der zerstörten Stadt Mariupol bereits wieder die Infrastruktur aufbaut und neue Wohnblocks für 3.500 Menschen errichten ließ. Das würde man nicht machen, so Baab, wenn man bereit wäre, diese Gebiete wieder zurückzugeben.

Überhaupt sieht der ehemalige NDR-Journalist die Zukunft für die Ukraine nicht rosig. Alles wird nach seinem Dafürhalten darauf hinauslaufen, dass die Ukraine zerteilt wird, nicht zuletzt auf amerikanische Initiative hin, die als Erstes einmal die ukrainischen Goldreserven in die USA brachte. Dort lagern auch die deutschen Goldreserven. Baab zeigte auf, dass die USA nach dem Motto handeln, wir liefern Waffen, und verdienen daran kräftig, bezahlt wird später.

Die USA ist auch massiv daran interessiert, dass die Ukraine der EU beitritt, erklärte Patrik Baab den aufmerksamen Zuhörern. Nach seinen Worten liegt dieses Interesse darin begründet, dass dann extrem hohe Finanzmittel, Baab spricht von einem 800er-Milliardenbetrag, vielleicht sogar mehr, von der EU auf nimmer Wiedersehen in die Ukraine fließen. Neben Aufbau werden dann auch die amerikanischen vorgestreckten Leistungen, wie Waffen und Munition, bezahlt. Und selbstverständlich, so Baab, stünde Deutschland stramm, wenn die Forderung der EU-Aufnahme aus den USA kommt. Bezahlt wird das aus den Steuergeldern der EU-Länder, vornehmlich der Deutschen, wusste der investigative Journalist.

So wunderte es nicht, dass Baab ausführte: Erst wenn in Deutschland die Bevölkerung realisiert, dass sie zum Zahlmeister für den Ukraine-Russland-Konflikt auserkoren wurde, wird es aufgrund von Protesten zu einer Friedensinitiative kommen. So lange die Bevölkerung weiterhin schläft, wird die USA über die Nato den Keil zwischen Russland und Europa, insbesondere Deutschland vorantreiben, denn ohne diesen Keil würde die Wirtschaft der USA ziemlich schlecht dastehen. Hier stellte sich der eine oder andere Besucher der Veranstaltung sicherlich die Frage, ist die USA tatsächlich unser Freund oder ist Deutschland nur ein US-abhängiger Partner, der die Wirtschaft der USA in einer Art Einbahnstraße stärkt?

Gedenkt Russland weitere Staaten anzugreifen, war eine Frage aus dem Auditorium, sicherlich nicht zuletzt aufgrund der Angriffspropaganda des CDU-Militärexperten Roderich Kiesewetter bei seinem Vortrag in Biberach, stattzeitung.org berichtete in "Roderich Kiesewetter (MdB): Wohin bewegt sich der Ukraine-Krieg?". Patrik Baab kann keine solchen Bestrebungen erkennen, denn Russland sei ein riesiges Land mit allen notwendigen Bodenschätzen für eine florierende Wirtschaft und einer für das Land viel zu geringen Bevölkerungsanzahl – eine flächenmäßige Expansion würde Russland überfordern. Er sprach aber an, dass sich Russland militärisch vollkommen verkalkuliert habe, weil es davon ausginge, in der Ukraine einfach durchzumarschieren. Genauso habe sich aber der Westen mit seinen Sanktionen verkalkuliert, denn diese schadeten nicht Russland, sondern Europa – bezahlen dürfte dieses politische Missmanagement vor allem der deutsche Bürger.

stattzeitung.org-Buch-Empfehlung:
"Auf beiden Seiten der Front - meine Reisen in die Ukraine" von Patrik Baab, ISBN: 978-3-946778-41-7

Sehen Sie, liebe stattzeitungs-Leserin, lieber stattzeitungs-Leser, hierzu auch das exklusive Interview mit Patrik Baab in "Im Fadenkreuz des Mainstream. Patrik Baab. Kriegsreporter.".



Begleiten und unterstützen SIE bitte wohlwollend unsere „unabhängige Schreibe“. Journalistische Arbeit hat ihren Wert und einen Preis, daher freue ich mich besonders das dennoch NIEMAND bei stattzeitung.org vor einer Bezahlschranke landet! Unsere Information soll für JEDE und JEDEN gleichermaßen zugänglich sein. Wir tun dies im Vertrauen darauf, breit getragen zu werden.

Spenden Sie bitte per Überweisung:
IBAN: DE03690618000005388201
BIC: GENODE61UBE
Bank: Volksbank Überlingen e.G.
Kontoinhaber: Stef Manzini
Verwendungszweck: „Schenkung“

Oder per PayPal:


Oder per Patenschaft:
Patenschaft

Danke!


Zurück

Kommentare

Kommentar von Thomas Mantel |

Liebe Stef Manzini,
vielen Dank für den hervorragenden Artikel.
Die Ausführungen von Patrik Raab kann ich als Ukrainekenner voll bestätigen.
Von 2010-2015 war ich regelmäßig 2-3 Mal jährlich zum Aufbau und Durchführung einer Weiterbildung in Sandspieltherapie in der Ukraine und habe mich intensiv mit der tragischen Geschichte und der aktuellen Situation beschäftigt. Den Maidan Aufstand habe ich miterlebt und kann bestätigen, daß dieser vor allem von der unzufriedenen intellektuellen Schicht initiiert und geplant wurde. Sehr schnell wurde diese tiefgehende Protestbewegung von Agenten der CIA und anderen Geheimdiensten unterwandert.
Hautnah erlebte ich in Selbsterfahrungsstunden das große Leid aller Familien, die auf der Krim oder im Donbass Verwandte habe. Die älteren Verwandten nahmen die Einladung, in den sicheren Teil der Westukraine zu ihnen zu ziehen ab, weil sie im Alter ihre Heimat und ihr Hab und Gut nicht verlassen wollte.
Herzliche friedvolle Grüße
Thomas Mantel

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 7 plus 7.

Der abgeschickte Kommentar wird vom Autor nach Prüfung veröffentlicht und gegebenenfalls beantwortet. Dies kann, je nach vorhandenen Ressourcen, einige Zeit dauern. Wir bitten um Verständnis, dass wir nur Kommentare mit Angabe des vollständigen Vor- und Nachnamen veröffentlichen werden.