Hilfe für Migranten oder Rache am Bürgermeister?

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Gastautor: Thorsten Peters

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  • Bauunternehmer Straßer aus Salem gerät in Erklärungsnot.
  • Demos für und gegen neue Unterbringung in Mimmenhausen.
  • Hilfe in Afrika als versöhnliches Ende einer AfD-Kundgebung.
  • Bauunternehmer Bernhard Straßer und die AfD im Bodenseekreis arbeiten zusammen an einer Lösung gegen die Massenmigration.

Im beschaulichen Salem am Bodensee wurde eine Markthalle in eine Unterkunft für 90 Migranten umgebaut. Mitte Dezember soll sie bezogen werden. Der Bürgermeister und die unmittelbaren Anwohner lehnen das ab, können aber nichts machen. Eigentümer und Bauunternehmer Bernhard Straßer: "Die Entscheidung ist durch uns gefallen, die haben wir mit keiner Kommune, mit keinem sonstigen abgestimmt."

Als ich davon lese, platzt mir der Kragen. Ich telefoniere mit dem Vorsitzenden der AfD im Bodenseekreis, Detlev Gallandt. Es waren da nur noch gute zwei Wochen bis zum Bezug des Heims und ich sage: Wir kriegen das hin, noch vorher eine Protestkundgebung zu organisieren. Vorher. Das ist uns allen wichtig, weil wir nicht gegen jene Menschen protestieren, die niemand beneidet, sondern gegen eine Politik, die auch noch die letzten Ecken einer heilen Heimat in eine multiethnische Gesellschaft transformieren will. Die Entscheidung fällt der Vorstand in aller Eile: Los!

Ein wenig Organisationserfahrung habe ich bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen und beim Fest der Normalität sammeln können. Also ans Werk. Die Tontechnik ist schnell besorgt. Aber wer gestaltet das Flugblatt und verteilt es in die Briefkästen der Anwohner, wer malt das Frontbanner, wer meldet die Kundgebung an und führt das Kooperationsgespräch mit der Polizei, wer redet auf der Demo, wer macht Ordner und wer bereitet einen heißen Punsch für die Teilnehmer? In kürzester Zeit bildet sich eine Telegram-Gruppe aus hoch motivierten AfD-Aktivisten, die mir die Aufgaben förmlich aus den Händen reißen. Mach ich, übernehme ich, ich, ich… Einige habe ich bisher nie kennengelernt und sehe ich später auf der Demo zum ersten Mal. Ich fühle mich von einer mächtigen Welle getragen, ein starker Rückhalt, den ich auch während der ganzen Veranstaltung spüre und der jedem von uns ungeahnte Kräfte verleiht.

Zwei Tage vorher rufe ich Bernhard Straßer an: "Guten Tag, ich werde Sie am Samstag mit ein paar Freunden besuchen kommen.“ Ich weiß, er ist bereits informiert. Nach unserer Kundgebung vor dem neuen Heim wollen wir gemeinsam zu seinem Betrieb laufen und dort noch einmal ein paar Worte über seine verantwortungslose Tat verlieren – alles mit den Behörden abgestimmt. Er antwortet, dass er gerne bereit ist, mit uns zu reden: "Uns mangelt es insgesamt an Diskussionen und Diskussionskultur. Das haben wir in den letzten Jahren ein wenig verlernt." Da kann ich ihm nicht widersprechen.

Samstag, 9. Dezember 2023, 14 Uhr. Der Aufbau ist fertig, die Straße voller Polizei, dahinter Gegendemonstranten. Als ich mit meinem Redebeitrag dran bin, lade ich die Antifa erst mal auf einen heißen Punsch ein – wir haben davon mehr als genug, denn nur wenige Salemer Anwohner haben sich getraut, zur Kundgebung zu kommen. Das war schon im Vorfeld zu ahnen: Hier kennt jeder jeden und "dann gilt man ja gleich als Nazi". Die Mainstream-Medien wirken, da gibt es noch viel zu tun.

Bevor unser Zug ins Gewerbegebiet beginnt, rücken die Gegendemonstranten ab. Ein Polizist weist sie an: "Ihr lauft so, wie es Euch Herr Straßer gesagt hat." Hm? Für uns ist die Straße jedenfalls frei und friedlich, es ist die Zeit zum ungezwungenen Kennenlernen und Vernetzen.

15 Uhr. Eine Menschenmenge hat sich vor dem Eingang des Bauunternehmers aufgebaut und empfängt uns gebührlich in Antifa-Manier. Die Polizei weist uns den Platz gegenüber zu. Hier komme ich mit dem Lautsprecher nicht mehr gegen den Lärm an. Erst als ich Herrn Straßer das Mikro übergebe, ist die andere Seite mucksmäuschenstill. Er habe das Gebäude zur Verfügung gestellt, weil ihm das Landratsamt gesagt hat: "Dann können wir in Langenargen die dort gesperrte Turnhalle der Grundschule der Gemeinde für den Schulsport und den Vereinssport wieder zurückgeben." Großer Applaus von der Gegendemo. Mein Einwand, dass der Zuzug ungebremst weitergeht und wir am Ende eine volle Turnhalle und eine volle Markthalle haben werden, geht im wiederauflebenden Getöse unter. Das Landratsamt hat inzwischen mitgeteilt, dass doch keine Leute aus Langenargen nach Salem umgesiedelt werden. Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts Friedrichshafen teilte der Schwäbischen Zeitung auf Anfrage mit: "Wir werden in Mimmenhausen Menschen einziehen lassen, die noch in der Alten Schule in Immenstaad untergebracht sind. Das Argument von Bauunternehmer Straßer, Raum zur Verfügung zu stellen, damit in Langenargen Sportunterricht in der Turnhalle stattfinden kann, ist damit obsolet.

Meinen übrigen Fragen weicht er aus: "ich habe keine Weltlösung", "also mit Statistiken ist es immer gefährlich" und so weiter. Gegen die erhöhte Gefahr von Vergewaltigungen und Messerstechereien hat Straßer ein Konzept: "Wir alle und auch die Polizei und auch die Sicherheitsdienste leisten ihren Beitrag, damit genau dieses nicht passiert." So weit, so schlecht.

Dann auf einmal seine Kehrtwende: "So wie es in letzter Zeit war, kann es zukünftig auch nicht sein." "Der CDU-Kreisverband will eine Petition über den Kreistag nach oben schicken. Weil wir diese Massen von Flüchtlingen nicht mehr aushalten." Dem Salemer Bürgermeister Manfred Härle, den er nicht leiden kann, wirft er in diesem Zusammenhang vor, nichts gegen die Migrantenflut zu tun, und fordert seinen Rücktritt. Hm? Applaus von den Gegendemonstranten. Hm? Allmählich wird mir der Charakter dieses Unternehmers klarer. Was für eine Ungeheuerlichkeit. Das Migrantenheim als Waffe in einer Privatfehde?

"Jetzt starten wir ein gemeinsames Projekt!" Bauunternehmer Straßer spendet 5.000 Euro und will, dass die Gemeinden im Bodenseekreis auch jeweils diesen Betrag spenden. Mit den etwa 130.000 Euro soll eine Berufsschule in Nigeria gefördert werden, "um Voraussetzungen zu schaffen, dass die Jugendlichen dort ein Handwerk lernen können." Großer Applaus von beiden Seiten. Herr Straßer hat wohl unser Flugblatt gelesen, auf dem genau das gefordert wird. Ich antworte ihm, dass er damit unser AfD-Kommunalwahlprogramm vorweggenommen hat. Darin schlagen wir vor, dass die Kommunen ein Rückführungsprogramm organisieren, also Städtepartnerschaften mit den Heimatländern beginnen und dort lokale Vereine aufbauen, welche unsere jungen Migranten in Empfang nehmen und ihnen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz vermitteln, der ihnen eine Lebensperspektive eröffnet. So hatte ich Bernhard Straßer zunächst verstanden, im Nachhinein ist mir allerdings beim nochmaligen Hören der Textpassage klar geworden, dass es sich bei Straßers Initiative ausschließlich um ein Entwicklungshilfeprojekt handeln soll. Es müsste klar sein, dass es sich bei dieser Initiative um ein Remigrationskonzept entsprechend unserem Kommunalwahlprogramm handelt, dann würden wir das gerne unterstützen. Mit diesem versöhnlichen Ausblick enden beide Versammlungen und ich habe die unerwartete Ehre, mich auch von der Versammlungsleiterin der Gegendemo mit einem herzlichen Händedruck zu verabschieden.

Lesen Sie, liebe stattzeitungs-Leserin, lieber stattzeitungs-Leser, hierzu gerne den Artikel "Links und Rechts zusammen?".

Update vom 13.12.2023

Die AfD im Bodenseekreis bekräftigt in ihrer Mitteilung, dass sie die Initiative unterstützt.



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