Ungebildet und krank, die nächste Generation. Der Hirnforscher Manfred Spitzer.

von Stef Manzini (Kommentare: 0)

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  • Vortrag in Ostrach zur digitalen Bildung an Schulen lockte 350 Gäste.
  • Markus Wenzel vom “Symposium Mittelstand” hatte die Idee dazu.
  • Provokante Thesen und erschreckende Beobachtungen eines Experten.
  • Wie hält man zu junge Menschen vom Smartphone ab, das ist die Frage.
  • Blind mit 50, eine Entwicklung, die Asien besonders trifft.
  • Exklusives stattzeitung.org-Interview mit Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer finden Sie hier.

Ein 10-jähriger Fünftklässler ist nicht in der Lage vor einem Segeltörn eine Checkliste abzuarbeiten. Warum? Er kann nicht richtig lesen! Dieses Erlebnis, mitten aus seinem Leben gegriffen, brachte Markus Wenzel einen Mittelständischen Unternehmer aus Pfullendorf auf die Idee Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, einen ausgewiesenen Experten in Sachen "Hirnforschung", zu einem Vortrag nach Ostrach einzuladen. "Das Niveau ist unglaublich schlecht, ich war so geschockt", so Wenzel, dessen Idee zündete, und so folgten rund 350 Interessierte, viele davon Pädagogen, dieser Einladung. Markus Wenzel (Techniker) vom "Symposium Mittelstand" hielt einen pfiffigen Impulsvortrag und sprach in diesem Zusammenhang eine Empfehlung für den österreichischen Dokumentarfilm "Alphabet" aus. Manfred Spitzer, Neurowissenschaftler, Psychiater und mehrfacher Buchautor "Digitale Demenz" sprach daher am 18. Oktober 2023 vor einem ausverkauften Haus zum Thema "Digitale Bildung an unseren Schulen". Mit diesem Titel war in gewisser Weise ein Grund für Spitzer für die zum großen Teil miserable Schulbildung unserer Kinder bereits vorweggenommen.

Mit 50 Jahren blind durch frühen Gebrauch von Smartphones und Tabletts, so schockte der "Hirnforscher" das Auditorium, denn laienhaft ausgedrückt führt eine Verkürzung des Auges, hervorgerufen durch das stundenlange Starren auf ein relativ nahes Gerät (Smartphone, I-Pad) in vielen Fällen zu Augenschäden, bis hin zur frühen Erblindung. Ein Gebrauch dieser Geräte sollte Kindern und Jugendlichen erst ab 14 Jahren erlaubt werden, so Spitzer. Dies war nur ein, allerdings höchst alarmierender Aspekt eines umfassenden und gut bebilderten Vortrags. Dass Eltern, Pädagogen und auch Schulleiter nicht immer der Meinung, des sich für ein radikales Verbot aussprechenden Experten folgen, beweisen auch Rückmeldungen auf die Einladung zum Vortrag. Ein Schulleiter schrieb beispielsweise, generell möchte er für derartige Veranstaltungen nicht werben. "Die wollen ja gar nicht wissen, was man alles weiß", sagte dazu der Neurowissenschaftler und Arzt.

"Die Digital-Lobby hat die tiefsten Taschen, und die nächste Generation ist ungebildet und krank", provozierte Manfred Spitzer, und fragte, wie viele 14-Jährige denn überhaupt noch lesen können? Das digitale Angebot ist umfassend, und verleitet dazu, nicht mehr selbst zu denken, so könnte man die Schlussfolgerungen des seit 1998 ärztlichen Direktors der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm auf den Punkt bringen. Haltungsschäden, Übergewicht, Kurzsichtigkeit- aber auch Schlafstörungen und weiteres mehr, die Liste gesundheitlicher Probleme Spitzers durch Gebrauch der Digitalen Medien ist lang. Sie führen zu Schlag- und Herzanfällen, sind insgesamt große Risikofaktoren, hervorgerufen durch zu frühen und zu intensiven "digitalen Verfall". "Wissen Sie, dass 25 Prozent der Fünfjährigen in Stuttgart nicht einmal mehr hüpfen können", fragte Manfred Spitzer und erklärte, Kinder bräuchten kein Handy. Der Hirnforscher ist überzeugt, dass sogenannte "Helikopter-Eltern" ihren Kindern in puncto Kreativität und Eigeninitiative massiven Schaden zufügen würden.

In China sehen 500 Millionen Kameras ganz genau, wer sich wann und wo bewegt. Aber wer weiß schon, dass gerade in der Corona-Pandemie in Südostasien die Kurzsichtigkeit der Kinder um 95 Prozent angestiegen sei, eine Folge des übermäßigen Konsums der digitalen Medien. Wir sehen einen um 90 Prozent verkleinerten Radius des Sichtfeldes. Kokain-Sucht, Facebook-Sucht, die Folge wären unter anderem Empathie-Verlust, schwere Gesundheitsschäden und Depressionen, erklärte Manfred Spitzer seinem Publikum.

Bildung, Bewegung und gesunde Ernährung sind für den Wissenschaftler und Vater der Schlüssel für geistige und körperliche Gesundheit. Interessierten Eltern, aber auch Pädagogen an Schulen und Kindertagesstätten, in die digitale Medien ebenfalls in großem Umfang Einzug gehalten hätten, wichtige Information zum Thema "Digitale Demenz" weiterzugeben, das ist Spitzers Anliegen, dafür war er nach Ostrach gekommen. Informieren, mahnen und warnen, teils mit drastischen Worten, aber die wirken ja bekanntermaßen oft am besten, das tat der Neurowissenschaftler und Psychiater an diesem Abend in Ostrach. Nachgefragt schien, dass den meisten Menschen, die in die Buchbühlhalle gekommen waren, ebenfalls sehr am Herzen zu liegen. Wie mit dem Digitalen umgehen, und wie katastrophale Folgen aufhalten, eine Frage, die sich nicht nur Erziehungsberechtigte stellen sollten. Die Bildungsstätten sollten sich dazu positionieren, so die Forderung von Manfred Spitzer. Schauen Sie, liebe stattzeitungs-Leser bitte auch das Interview mit Professor Spitzer und seine Antwort auf die Frage "Wer hört ihnen eigentlich zu, Herr Spitzer?", das morgen veröffentlicht wird.

Nicht allen Teilnehmern des Abends gefiel Spitzers vehemente Ablehnung der digitalen Medien als Lernhilfen. Der Vortragende sagte sinngemäß, kein Kind brauche einen Computer, um zu malen oder Zusammenhänge zu begreifen. Dies trage nicht zur Bildung bei. In der anschließend lebhaften Diskussion musste sich der mehrfache Buchautor auch gefallen lassen, von einem Zuschauer als Populist bezeichnet zu werden. Sichtlich aufgebracht und entschieden wies Manfred Spitzer das zurück. Seine Ausführung zu Corona, Länder mit hohem Bildungsniveau hätten auch wenige "Corona-Tote", Länder mit geringer Bildung entsprechend hohe Opferzahlen erzeugte auch Stirnrunzeln. Hat der anerkannte Uni-Professor etwa noch gar nichts von den schädlichen Nebenwirkungen der "Impfung" gehört?

Professor Spitzer verwies gegen Ende seines lebhaften und gut strukturierten Vortrags auch auf ein Buch von Yuval Noah Harari "Homo Deus", in dessen Klappentext zu lesen ist: "Schon bald werden Bücher Sie lesen, während Sie diese Bücher lesen." Damit war der Autor bei seinem neuesten Werk, "Künstliche Intelligenz" und seinen Thesen zu Transhumanismus und der Cyborgisierung des Menschen angelangt. Spitzer sieht einen gewissen Nutzen, aber auch eine deutliche Gefahr durch die Künstliche Intelligenz (KI). "Wir müssen sie regeln, wer sie entwickelt hat, ist verantwortlich für die KI", mahnte der Neurowissenschaftler.

Das Gehirn wird allerdings nie voll, so der Arzt und Hirnforscher, es ist geradezu dafür ausgelegt, Wissen anzuhäufen, so ein optimistischer Prof. Dr. Spitzer, der dazu anregte, dieses Organ lebenslang zu nutzen und damit zu fördern. Diesen Optimismus verbreitet der Gehirnforscher auch beim Thema "KI". "Wir werden das schon regeln", ist seine Einschätzung dazu.

Schauen Sie, liebe stattzeitungs-Leser, hierzu gerne auch das exklusive s!!z-Interview "In zwei Jahren weiß die KI alles, was geschrieben steht. Hirnforscher Manfred Spitzer." an.



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