Der Fall "Johanna Findeisen" und die Medien.

von Stef Manzini (Kommentare: 2)

Bild: Stef Manzini
  • Auch die ARD wollte einen Beitrag über Findeisen senden, stattzeitung.org sollte helfen und mitwirken.
  • Generalstaatsanwaltschaft antwortet nicht auf Presseanfragen.
  • In diesen Tagen Haftprüfungstermine für die in Schwäbisch Gmünd inhaftierte Frau aus dem südbadischen Frickingen.
  • Familienangehörige hoffen auf den Unschuldsbeweis zugunsten der Beschuldigten.
  • Fast sechs Monate sitzt Findeisen bereits in Untersuchungshaft.
  • Der Vorwurf der Generalbundesanwaltschaft Berlin lautet auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.
  • “Reichsbürger-Razzien” und Kontakte zu russischen Diplomaten gaben den Ausschlag.

Im Sommer 2023 erreichte die stattzeitung.org eine Interviewanfrage der ARD, die im Oktober eine Reportage zur besten Sendezeit zum "Fall Findeisen" ausstrahlen wollte. Die ARD war auf die Berichterstattung der stattzeitung.org aufgrund der umfangreichen und detaillierten Recherchen aufmerksam geworden. Bisher ist diese Sendung wohl nicht zustande gekommen- und daher auch nicht gesendet worden. Das Interview kam, trotz der von der ARD argumentierten hohen Aufmerksamkeit eines Millionenpublikums zur Prime-Time für die stattzeitung.org nicht infrage, da man mit uns seitens der "Öffentlich-Rechtlichen" keinen entsprechenden Interview-Vertrag abschließen wollte. Dieser Vertrag sollte uns die Kontrolle über die Auswahl und den Zusammenschnitt unserer diesbezüglichen Aussagen zum Fall "Findeisen" lassen. Das ist quasi eine Endkontrolle über das eigene Wort, das dann einem Millionenpublikum bekannt werden sollte. Dass die Öffentlich-rechtliche Sendeanstalt dies offensichtlich nicht bereit war einzuräumen, spricht Bände- und bedarf keines zusätzlichen Kommentars.

Die Loyalität zu unserem Markenkern, also gewissermaßen der stattzeitungs-DNA ist uns wichtiger als billige Effekthascherei, zumal diese zu vergleichbaren Sachverhalten in der Vergangenheit in den Mainstream-Medien oft keineswegs neutral geschehen ist. Ganz im Kontrast zu dem dann oft in den Medien erschaffenen Bild genießen Personen wie Johanna Findeisen im privaten Umfeld und in der "Corona-Maßnahmen-Gegner-Szene" hohes Ansehen, durch ihren Einsatz und ihre vielfältigen Aktivitäten beispielsweise auf Friedens-Demos.

Immer wieder gibt es in Folge der Brisanz und der Medienwirksamkeit der am 22. Mai 2023 in Frickingen unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommenen, und seitdem in Untersuchungshaft sitzenden Johanna Findeisen, auch Claqueure und Profilneurotiker, die durch eine inszenierte Nähe zur Betroffenen und angeblichem Insiderwissen sich nur selbst in Szene setzen wollen. Dies geschieht meist ohne Wissen beziehungsweise Billigung der Betroffenen und ihrer Familienangehörigen. Sich selbst auf Kosten anderer zu profilieren ist vielleicht gut für das eigene Marketing, aber auch für die Betroffenen oft kontraproduktiv- und auf jeden Fall schäbig.

stattzeitung.org ist ein Informations-Medium, selbstverständlich halten wir unsere Leser auf dem neuesten Stand, auch zu Johanna Findeisen. Wir haben dazu mehrere Artikel veröffentlicht, immer in Absprache mit Johanna Findeisens Familie, aber selbstverständlich ohne privates zu veröffentlichen- oder den Betroffenen zu nahe zu treten.      

Bei unseren Recherchen helfen uns Pressestellen, wie beispielsweise die der Generalbundesanwaltschaft in Berlin, die jedoch nur die erste Presseanfrage von stattzeitung.org im Frühling dieses Jahres beantwortet hat. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass gerade TV-Formate des Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks und Zeitungen aus dem Mainstream für ihre Berichterstattung anscheinend sogar mit Zusatzinformationen versorgt werden, die dann erlauben, eine Art Exklusiv-Reportagen zu veröffentlichen, und damit einen "Wettbewerbsvorteil" zugunsten der Massenmedien schaffen.

Betrachtet man den "Fall" Johanna Findeisen, kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass die Generalbundesanwaltschaft, vertreten durch ihre Pressestelle, Unterschiede macht, je nachdem für welches Medium man arbeitet. Eine Selektion scheint stattzufinden, die zulässt, dass "Service-Journalisten" aus "bequemen" Mainstream-Medien mit Informationen versorgt werden, wie zuletzt gesehen bei der "Reichsbürger-Razzia". Dort waren Kamerateams von Fernsehsendern zugegen, während Neue Medien wie stattzeitung.org sich offenbar mit der bisherigen Berichterstattung zu Findeisen ins "Unliebsame" geschrieben hat. Wie sonst ist zu erklären, dass gleich mehrere Presseanfragen der stattzeitung.org zum aktuellen Sachstand neuerdings unbeantwortet bleiben, während die erste Anfrage noch ordnungsgemäß beantwortet wurde. Es gilt in Deutschland der Paragraf 5 des Grundgesetz: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern. Dass hier die Pressestelle der Generalbundesanwaltschaft einer Onlinezeitung die Auskunft verweigert, ist leider eine Normalität, und dennoch schlecht- zumal das die Aufgabe dieser Pressestelle ist.

Die Pressestelle des Generalbundesanwalts in Berlin sieht offensichtlich keine Veranlassung fortlaufend Auskunft über den Ermittlungsstand zu einem "Fall" zu erteilen, der auch viele Unklarheiten und Ungereimtheiten aufweist- und somit von einer unabhängigen Presselandschaft selbstverständlich genau „unter die Lupe“ genommen werden muss. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie weit die Ermittlungen gegen Johanna Findeisen aus Frickingen inzwischen gekommen sind. Die 52-Jährige wird beschuldigt, im Zusammenhang mit den "Reichsbürgern" Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Dieser Vorwurf ist nicht trivial, wenn schon gerade die stattzeitung.org sich auf Recherche-Reise begeben hat, und einige interessante Dokumente, die Findeisen entlasten könnten, vorgelegt hat.

Die kommenden Tage werden für das Schicksal Johanna Findeisens bedeutsam werden, denn Haftprüfungstermine stehen an. Fast sechs Monate sitzt Johanna Findeisen bereits in Untersuchungshaft. Michael Ballweg "Querdenken", der neun Monate inhaftiert war, jedoch ging es bei ihm um den Verdacht der Untreue, riet unlängst im Interview mit stattzeitung.org ("Der Querdenker: Michael Ballweg.") den Betroffenen viele Briefe zu schreiben, das habe ihm sehr geholfen. Auch Johanna Findeisen freut sich über Post, an die JVA Schwäbisch Gmünd.

Es bleibt nun vor allen Dingen abzuwarten, ob die Generalbundesanwaltschaft ihre Vorwürfe gegen die 52-jährige Johanna Findeisen aus Frickingen erhärten kann, oder Findeisens Anwälte diese entkräften können. Bis dahin gilt: In dubio pro reo.


Zur Chronologie des Falles "Johanna Findeisen"

  • Am 1. Juli 2022 trifft Johanna Findeisen den neuen russischen Generalkonsul Ivan Khotulev bei der Gedenkfeier der Flugzeugabsturz-Opfer in Überlingen am Bodensee.
  • Im Sommer/Spätsommer 2022 wird Findeisen daraufhin nach Frankfurt ins russische Konsulat eingeladen. Eine Geste der Dankbarkeit weil Findeisen bei der Gedenkfeier auch dem russischen Gesandten die Hand geschüttelt hatte, so ist später zu erfahren.
  • Am Sonntag, dem 4. Dezember 2022 hält Johanna Findeisen in ihrer Eigenschaft als Mitglied des Landesvorstands der Partei "dieBasis" eine Demorede in Baden-Baden, auf Einladung des dortigen Ortsverbands. An diesem Sonntag besucht sie ebenfalls auf Einladung der Basis ein klassisches Konzert der "Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft Baden-Baden".
  • Am Montag, dem 5. Dezember übergibt Findeisen einen Brief einer Assange-Aktivistin aus Überlingen an den Diplomaten Khotulev.
  • Am Mittwoch, dem 7. Dezember erfolgt eine Hausdurchsuchung im Rahmen der "Razzien gegen Reichsbürger" in Findeisens Haus in Frickingen am Bodensee.
  • Am 22. Mai 2023 erfolgt die Festnahme Findeisens, die Generalbundesanwaltschaft stellt sie unter den Verdacht der Mitgliedschaft in einer Terroristischen Vereinigung. Seitdem sitzt Johanna Findeisen in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch-Gmünd.



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Kommentare

Kommentar von Thomas Mantel |

Liebe Stef Manzini,
Hut ab vor Ihnen, für diesen hervorragenden Artikel.
Vielleicht sollte ich wieder mehr Hut tragen, um ihn aus Achtung vor Ihrem Einsatz für die Wahrheit und Ihrer Redlichkeit lüften zu können.
Ich freue mich, dass es Sie gibt und dass ich Ihnen begegnen durfte.
Dr. Thomas Mantel

Kommentar von Gampe, Hermann |

Liebe Redakteure der Stattzeitung!

Vielen Dank für Ihren Artikel! Als Mitglied der Partei dieBasis fällt mir auf, dass hierzulande zunehmend politische Prozesse stattfinden, in denen es nicht darum geht, Staftaten zu verfolgen, sondern Personen mit unliebsamer politischer Richtung aus dem Verkehr zu ziehen. Ähnliche Prozesse finden statt gegen Dorothea Thul aus Rheinland-Pfalz und Reiner Füllmich, den ehemaligen Parteivorsitzenden der Basis. Dorothea Thul hat ein Netzwerk aus pädophilen Straftätern in Politik und Justiz aufgedeckt und dabei Namen genannt, das war ihr einziges "Vergehen". Reiner Füllmich wurde vor einigen Tagen illegal von Vertretern der deutschen Justiz in Mexiko gekiddnappt, um ihn anschließend in Deutschland zu inhaftieren. Der Vorwurf lautet hier auf "Untreue". Aber selbst wenn daran ein Funke Wahrheit sein sollte, rechtfertigt es nicht das Kiddnapping in einer mexikanischen Behörde, denn es lag nur ein europäischer Haftbefehl vor. Internationale Haftbefehle darf Deutschland ja nicht mehr ausstellen, weil es keine unabhängige Justiz mehr im Lande gibt: Die Staatsanwaltschaften sind dem jeweiligen Justizministerium unterstellt (§146/7 GVG).
Richten Sie bitte Frau Findeisen folgendes aus: Ich freue mich, dass die Partei so mutige Leute wie Sie hat. Auch ich hätte jederzeit den freundschaftlichen Kontakt mit russischen Vertretern gesucht, denn es regt mich auf, dass in den deutschen Medien die Kriegsschuld einzig bei Russland gesucht wird. Damit erzeugt man ein Feindbild, das jede deutsch-russische Freundschaft unmöglich macht. Eine ausgewogene Berichterstattung gibt es schon lange nicht mehr. Bitte geben Sie nicht auf, Frau Findeisen!

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