"Mobbte" der "Rengo" die "Kuhfrau" vom Hof?

von Stef Manzini (Kommentare: 1)

Mechthild Knösel verließ zusammen mit ihrem Mann Markus überraschend das Demeter-Hofgut. Die europaweit bekannte Expertin für Rinder sucht nach neuer Hofstelle für Rinderhaltung. Kuhherde ist jetzt bereits stark reduziert. Zuchtbulle “Simba” und 40 weitere Bullen geschlachtet. Vorzugsmilch verschwand aus den Kühlregalen der hiesigen Bioläden. Stellungnahmen von Mechthild Knösel und Daniel Schily. Menschliche und wirtschaftliche Gründe nennt Daniel Schily, vom Hofgut Rengoldshausen, alle wären “super traurig”, sagt der “Chef” vom Bio-Hof. Momentan kann von einer guten Vertretung Knösels auf dem “Rengo” nicht die Rede sein.


Das Herzstück des "Rengo" ist die große Kuhherde, so schrieben es die Autoren noch im letzten Jahr in die "Rengo-Chronik", anlässlich des 90. Geburtstags des Demeter-Hofguts. Die Kuhherde hat jetzt ihr Herz verloren, gemeint ist die "Kuhfrau" Mechthild Knösel. Als "Kuhfrau" bezeichnete sie sich selbst, dieser Name ging ein in die mannigfaltige Berichterstattung der lokalen Presse, bis hin zum Magazin Stern und dem Fernsehen. Aufsehen erregte Mechthild Knösel mit ihren Innovationen, zuletzt kämpfte sie jahrelang erfolgreich für den Schlachtanhänger zur Hofschlachtung auf einem der ältesten Demeter-Höfe Europas, dem Hofgut Rengoldshausen, nahe Überlingen am Bodensee.

Nun passte ganz offensichtlich die "Chemie" nicht mehr, und die 44-jährige Landwirtschaftsmeisterin Mechthild Knösel sah sich zusammen mit ihrem Mann Markus, ebenfalls in gehobener Position als Betriebsleiter auf dem Hof tätig, gezwungen die Reißleine zu ziehen. Wie schwer das der Frau gefallen sein muss, die sich fast zwei Jahrzehnte lang um das Wohlergehen jedes einzelnen ihrer Tiere eingesetzt hat, kann man nur erahnen.

Einen "Stich ins Herz" gab es für sie, so Mechthild Knösel, als sie erfuhr, dass "ihr" prächtiger Zuchtbulle "Simba", zu dem sie ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut hatte, kurz nach ihrem Weggang geschlachtet wurde. "Simba hatte mit siebeneinhalb Jahren natürlich ein stolzes Alter erreicht, aber der Grund für die Schlachtung war doch offensichtlich der, dass jetzt niemand mehr mit dem großen stolzen Tier umgehen konnte", sagt Knösel dazu.

Sensibel, aber nicht emotional so bezeichnete die "Kuhfrau" stets ihr Verhältnis zu "ihren" Tieren. Nun kann sie sich der Emotionalität nicht erwehren, zu viel Herzblut ist geflossen. Der jähe Tod des Bullen und vieles weitere mehr sind offenbar die Folgen einer neuen "Hofpolitik", die den Knösels keinen Raum mehr ließ, weiterhin für das Demeter-Hofgut tätig sein zu können, und die einen Schlussstrich unausweichlich machte.

Die weit über die Grenzen Überlingens hinaus etablierte Vorzugsmilch, ein Produkt jahrelanger Aufbauarbeit und ständiger Achtsamkeit, musste nun, da die Melkung jetzt nur noch einmal täglich erfolgt, vom Markt genommen werden. Verbraucher wunderten sich bereits über dementsprechende Hinweise in regionalen Biomärkten. Wie ist es nun um das Tierwohl bestellt, Stichwort "Eutergesundheit" fragt sich nicht nur Mechthild Knösel? Warum musste die "Kuhfrau" überhaupt gehen? Passen ihr Einsatz und ihre innovativen Konzepte, erinnert sei an den Milchviehtag 2019 mit rund 500 Teilnehmern aus ganz Europa, plötzlich nicht mehr ins Konzept des "Rengo"?

Eigentümer des Bio-Hofguts ist die Columban-Stiftung. Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Daniel Schily, ist gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins "Democracy International e.V.", dessen Zielsetzung es ist, direkte Demokratie zu fördern. Walter Sorms, der bekannte Überlinger Gemeinderat (LBU/Die Grünen) und "Rengo-Altbauer", der im April 2006 die Herde an Mechthild Knösel übergeben hatte, gehört ebenfalls dem sechsköpfigen Stiftungsrat an.

Ophelia Nick, die Schwester von Daniel Schily der wiederum ein Neffe der 2018 verstorbenen "Stifterin" Cornelia Hahn, geborene Voith (Voith-Turbinen-Heidenheim) ist, sitzt als Staatssekretärin im "grünen" Landwirtschaftsministerium von Cem Özdemir. Jenem Minister, der bekanntermaßen Fleisch für höchstens ein notwendiges Übel hält und zum Verzehr von Ersatzstoffen auffordert. Es darf also spekuliert werden, ob die jetzt ergriffenen Maßnahmen auf dem "Rengo" auch eine politische Variante haben, denn einigermaßen unverständlich ist und bleibt, dass es keine einvernehmliche Lösung zwischen der Stiftung und den Knösels gab.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass Vera Becher und Iris Atrott, die beiden Samen-Pionierinnen vom Ralzhof der dem Hofgut angehört, ebenfalls zum Ende des Jahres nach fast 20-jähriger Mitarbeit ihre Wirkungsstätte nach Norddeutschland verlegen werden.

Wie geht es jetzt weiter mit Mechthild und Markus Knösel und ihrer fünfköpfigen Familie, haben wir bei Mechthild Knösel nachgefragt. "Unsere drei Kinder gehen alle auf die Waldorfschule in Überlingen, insofern war es ein Segen vorübergehend bei einem befreundeten Biobauern in Herdwangen in der Ferienwohnung unterschlüpfen zu können", erklärt die Landwirtschaftsmeisterin. Ihr Herz gehöre weiterhin den Rindern, so gesehen sucht die Familie nun dringend nach einem neuen Hof, der die Rinderhaltung zulässt.

Das sagt Daniel Schily, der seit dem Tode Cornelia Hahns ihr Nachfolger als Stiftungsrats-Vorsitzender der Columban-Stiftung Überlingen, die für das Hofgut Rengoldshausen verantwortlich zeichnet:

Der "Rengo" hätte Mechthild Knösel nicht vom Hof vertrieben, wohl aber gab es Differenzen im wirtschaftlichen, und letztlich auch im persönlichen Bereich. Alle auf dem Hof seien, so Schily wörtlich, "super traurig", auch er selbst betrachte seine Rolle durchaus selbstkritisch. Dennoch sei der Zweig "Rinderherde" ja nicht gemeinnützig, und unterliege wirtschaftlichen Zwängen. Ein Kilopreis von gegen 9 Euro für das Rindfleisch, den Frau Knösel erzielen wollte, sei auf dem Markt schlicht nicht durchzusetzen, der realistische Preis liege bei 5,80 Euro. Letztlich sei, so Zitat Schily "also die ganze Welt Schuld daran, dass die Pionierarbeit von Mechthild Knösel nicht entsprechend zu würdigen sei". Der Perfektionismus Knösels in der Pionierarbeit, gepaart mit einer, so Schily weiter, durchaus "positiven Sturheit", aber auch mit einer Art "Arbeits-Überforderung" hätten schlussendlich zum "Aus" geführt. Deshalb sei es letztlich nicht gelungen einen Pachtvertrag auszuhandeln, der beiden Seiten entspräche. In Folge des Fortgangs von Mechthild Knösel habe man sich veranlasst gesehen, die Herde zu verkleinern. Ein Abnehmer im Schwarzwald habe beispielsweise 40 Bullen erhalten, auch der Kuhbestand sei bereits reduziert worden. Ja, so sagte Daniel Schily, die Tiere würden jetzt auch schneller (von der Weide, Anm. der Redaktion) getrieben als von Knösel, das seien die Tiere bisher nicht gewöhnt. Dies sei jedoch der Tatsache geschuldet, dass es auf dem "Rengo" aktuell keinen adäquaten Ersatz für Mechthild Knösel gäbe. Der "Stallschuss" bleibe wie bisher auch die Tötungsmethode auf dem Hof. Die Frage nach möglichen Absichten die Rinderherde ganz abzuschaffen verneinte Daniel Schily entschieden. Das Hofgut Rengoldshausen würde jetzt nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger suchen, die oder der die notwendige Qualifikation mitbrächte.

Das sagt Mechthild Knösel, die 18 Jahre lang für die Rinderherde des Hofgut Rengoldshausen verantwortlich war:

"Es ist die "Eigentümer-Vertretung", also genau die Menschen der Führungsebene, die für die Struktur auf dem Rengo verantwortlich sind. Das ist ausschlaggebend dafür, was für uns möglich ist, und was nicht. Ein Kilopreis von 8,70 für ökologisch erzeugtes Rindfleisch ist ja nicht weltfremd. Was ich in meiner Tierhaltung für die Tiere umsetzen wollte, ist ausschlaggebend für den Preis. In der Vergangenheit ist es ja bereits gelungen diesen Preis auch am Markt umzusetzen, da letztlich der Verbraucher selbst bestimmt welches Fleisch er essen möchte, und wie oft. Natürlich ist die Tierhaltung nur wirtschaftlich, wenn ich einen Preis erziele, der die Kosten deckt, aber das ist ja überall so. Die Höhe der Pachtsumme sollte der landwirtschaftlichen Erzeugung angemessen sein, das wäre selbstverständlich auf dem "Rengo" auch möglich gewesen."

Lesen Sie hierzu gerne auch den Kommentar "Ja, die "Kuhfrau" wurde vom Rengo "gemobbt"!".



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Kommentare

Kommentar von Kein Name (zum Selbstschutz) |

Die Columban-Stiftung "räumt weiter auf". Der Andreashof e.V. musste nun fast die gesamte Belegschaft entlassen. Fertigkeiten, Fachkenntnisse und viele einzigartige Produkte sind damit wahrscheinlich langfristig verloren.
Eine Tragödie... Rotstift statt konstruktiver Unterstützung.- Ist das die Aufgabe einer Stiftung?

Info zum Autor: "Kein Name" zum Selbstschutz. Angaben können auf Richtigkeit überprüft werden.

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