Daniele Ganser: "Können wir den Medien vertrauen?"

von Cornelia Morche (Kommentare: 0)

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  • Vortrag am 29. Juni 2023 in Bregenz – Lauterach beim Garten-Eden-Projekt.
  • Wir brauchen die Medien, sagt der Historiker und Friedensforscher.
  • Medien können Lügen und die Wahrheit sagen.
  • Die Verantwortung des Denkens bleibt bei jedem Menschen selber.

Mit zwei klaren Fragen "Kann man den Medien vertrauen?" und "Wer hat Nord Stream 2 gesprengt?" führte Daniele Ganser durch den Abend, und gab darauf zwei klare Antworten "Nein, den Medien kann man nicht vertrauen" und "Joe Biden hat Nord Stream 2 gesprengt".

Etwa 600 Zuhörer lauschten gebannt dem lebendigen Vortrag des sympathischen und humorvollen Dr. Daniele Ganser, der am 29. Juni 2023 in Lauterach bei Bregenz die Menschen in seinen Bann zog. Der Schweizer Historiker und Friedensforscher leitet in Basel das "Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER)" und untersucht die Themen Frieden, Energie, Medien, Krieg und Terror. Mit seinen Vorträgen und Büchern möchte er jene Menschen stärken, die sich für Frieden, gewaltlose Konfliktlösung, erneuerbare Energie und Aufklärung engagieren, sagt Ganser.

Elementare Grundgedanken Gansers zur Rolle der Medien in unserer Gesellschaft sind "Medien transportieren eine Geschichte sofort in jedes Wohnzimmer", und "Leitmedien erschaffen eine Matrix", wie auch der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Michael Meyen sagt. Ob die Geschichte stimmt oder nicht, wisse man in dem Moment nicht. Selbstverständlich gäbe es gute Journalisten, die ihren Job korrekt machen; aber es könne auch massiv manipuliert werden. "Manche Dinge, die erzählt werden, sind erlogen, manche werden in ein falsches Licht gestellt. Manche Dinge werden verschwiegen, manche in einen falschen Zusammenhang gebracht. Fotos und Bilder werden falsch getitelt und verwendet, Geschichten werden gelenkt, der Leser getäuscht. Oder es wird nur ein limitierter Bereich zur Debatte gestellt, drumherum gibt es Tabuzonen, und nur eine Perspektive des Denkens und Betrachtens wird toleriert", erklärte der Friedensforscher seinem Publikum.

Wir alle könnten uns wahrscheinlich noch gut an die Bilder einer Halle voller Särge und an die Militärkonvois in den Straßen von Bergamo erinnern, die Särge mit "Corona-Toten" abtransportierten. In der Halle mit den Särgen lagen allerdings im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge, die Halle befand sich in Lampedusa, einer Insel südlich von Sizilien, und die Aufnahmen wären Jahre zuvor gemacht worden. Dieses Bild als Bild von Corona-Opfern auszugeben, wäre ein Betrug. Der Militärkonvoi entstand, weil sich politische Vorgaben in Italien geändert hätten; die üblicherweise durchgeführte Erdbestattung wurde verboten, aus Angst vor sich verbreitenden Coronaviren mussten alle Leichen verbrannt werden, und dafür fehlten Bestattungstransportfahrzeuge, erklärte Daniele Ganser, zu einem der stärksten Bilder des "Elends Corona", dass in nahezu allen Mainstream-Medien zu sehen war.

Auch durch gezielte Wortwahl würde absichtlich, aber unauffällig manipuliert. Wenn ein Mensch mit einem "teigigen Gesicht" beschrieben wird, gehe unser Mitgefühl automatisch herunter, denn Teig und Mensch gehören nicht zusammen, der inneren Verurteilung und Missachtung dieser Person werde Vorschub geleistet, und am Ende sei es nur ein kleiner Schritt, dass es sich um eine verachtenswerte "Bestie" handele, für die die Todesstrafe erfunden worden war. Dabei sei es um die Darstellung eines Vergewaltigers und Serienmörders im Spiegel gegangen, so Ganser.

"Das heißt, wir müssen selber denken, auch wenn es unbequem ist", folgerte Daniele Ganser. "Die Dinge müssen richtig eingeordnet werden, das ist das Problem. Dabei macht sich Angst schneller breit als Vernunft, Angst lähmt logisches Denken, und mit dem Schüren von Angst wird gezielt gearbeitet." Angst und Spalten seien Herrschaftsinstrumente, gab Daniele Ganser zu bedenken. Und es sei spannend zu beobachten, dass die persönliche Angst ins gerade aktuelle Narrativ passen müsse; bei der falschen Angst zum falschen Zeitpunkt würde der Mensch sozial isoliert. Angst vor Coronaviren war 2020 und 2021 angesagt, ab 2022 gibt es die Angst vor dem bösen Putin. "Welche Angst als Nächstes kommt, wissen wir nicht, aber es wird wieder eine kommen. Sagen Sie einfach, ich mach jetzt eine Pause mit der "Angsthaberei", die Angst vor den Viren und die Angst vor dem bösen Putin haben mich so erschöpft. Bei der übernächsten Angst bin ich dann wieder dabei", schmunzelte Ganser, darüber konnten die Zuhörer herzlich lachen.

Wir sollten keine Autorität suchen außerhalb von uns selbst, "vertrauen Sie sich", und wir sollten bei jeder Geschichte eine konkrete Fallanalyse machen. Mal stimmte die Story, die in den Medien erzählt würde, mal nicht. Und es könne sein, dass man selber diffamiert würde, wenn man die Wahrheit sagt, aber "lassen Sie sich nicht einschüchtern", ermunterte Daniele Ganser. Wer eine andere Meinung vertritt, als die offizielle Regierungsmeinung werde zum Verschwörungstheoretiker, zum Coronaleugner oder Putinversteher. Worin liegt das Problem, Putin zu verstehen, fragte der Friedensforscher?

Narrative basierten auf dem Prinzip Wiederholung. Wieder und wieder würde dieselbe Geschichte erzählt, so dass unsere Nervenzellen daraus eine feste Verknüpfung herstellen und uns diese Geschichte dadurch plausibel erschiene. Unsere Nervenzellen unterscheiden nicht zwischen Lüge und Wahrheit, das müssten wir selber mit unserem Verstand tun. Wiederholungen erlebten wir auch in der aktuellen Erzählung zum Krieg. Was wenig hinterfragt wird, ist, wer profitiert von einem Krieg? Wie wäre es, wenn mal als Erstes die Aktionäre der Rüstungsindustrie und ihrer Geldgeber, vorneweg "Blackrock" und "Vanguard", an die Front geschickt würden, dann wäre schnell Schluss mit Krieg, so die Meinung von Daniele Ganser. Auch die Rechtfertigungen für den Vietnamkrieg sowie den Krieg im Irak basierten auf reinen Lügen, erklärte der Friedensforscher.

Genauso bedeutsam sei der Aspekt Vertrauen. Wem vertrauen wir, fragte Ganser sein Publikum. Im Fall der Sprengung von Nordstream 2 im September 2022 vertraut Daniele Ganser dem Journalisten und Pulitzerpreisträger Seymour Hersh, einfach weil er bisher tadellos recherchierte und berichtete. Im Falle der Sprengung von Nordstream 2 komme Seymour Hersh zu dem Ergebnis, dass Joe Biden respektive die USA hinter diesem Anschlag steckten. Die ganze Geschichte sei aus dieser Sichtweise auch stimmig und schlüssig; es gab entsprechende NATO-Übungen im Vorfeld, Ankündigungen der amerikanischen Regierung sowie einen Profit aus der Sprengung für die USA. Im Übrigen seien die notwendigen Voraussetzungen, für eine derart komplexe Operation, maximal anspruchsvoll, wusste Ganser.

Der gesamte Vorfall würde erstaunlicherweise in den Medien relativ wenig thematisiert. Auch das ist eine Manipulationstechnik. Denn je nach Sichtweise könnten wir davon ausgehen, dass sich Deutschland im Krieg befindet, und zwar in einem Zwei-Fronten-Krieg. Deutschland liefert Waffen an die Ukraine und bildet ukrainische Soldaten für den Kampf gegen Russland aus und kämpfe damit gegen Russland; andererseits wurde die von Russland nach Deutschland führende Gaspipeline mutmaßlich vom NATO-Partner USA zerstört. Dies sei ein Angriff der USA gegen Deutschland. Es scheine niemanden besonders zu stören, wenn man die alten Medien betrachtet, es sei ein Tabuthema, folgerte Daniele Ganser.

Die Manipulationsmöglichkeiten von Medien seien grenzenlos und meist sehr subtil. Man möge sich im oberen Teil eines Deckblatts einer Zeitung eine attraktive und vorteilhaft dargestellte junge Frau vorstellen, mit einer ansprechenden Überschrift – die Zeitung werde in die Hand genommen und im Zweifelsfall gekauft. Weiter unten auf derselben Seite käme dann eine manipulative Hässlichkeit, eine wertende, diskreditierende Aussage über einen Menschen oder eine Situation. Das trenne unser Gehirn nicht so schnell, es nähme alles gemeinsam auf, die Einflussnahme sei passiert.

Trotzdem bräuchten wir Medien, wir müssen nur sehr bewusst damit umgehen. Wir hätten Möglichkeiten der Auswahl und sollten dies gezielt nutzen. Zum Beispiel kann man sich anhand des Medien-Navigators von Swiss Policy Research eine Übersicht verschaffen; hier werden insgesamt 80 deutschsprachige Publikationen sowohl auf ihre politische wie auf ihre geopolitische Ausrichtung eingeordnet. In der politischen Positionierung wird zwischen egalitär und konservativ unterschieden, in der geopolitischen Positionierung zwischen NATO-konformer und NATO-kritischer Sichtweise. "Jede Publikation hat einen gewissen Blick auf die Welt. Wir sollten unseren Blickwinkel einfach immer wieder ändern", empfahl Daniele Ganser.

Und wir sollten unseren Medienkonsum auch begrenzen, und immer wieder raus gehen, in die Natur, sie hautnah erleben, allein und gemeinsam mit anderen Menschen. "Medienkonsum ist keine Kleinigkeit", sagte Daniele Ganser.

"Wir können uns immer wieder in Achtsamkeit üben", war dem Friedensforscher besonders wichtig. "Beobachte Deine eigenen Gedanken und Gefühle, aus einer gewissen Distanz heraus. Du bist nicht Dein Gedanke oder Dein Gefühl, und glaube nicht alles, was Du denkst", rät der Vortragende seinen Zuhörern. Diese Einstellungen wären hilfreich gegen Dogmatismus und Fanatismus, und sie trügen zur Entspannung bei. "Bleiben Sie wach und unabhängig, wir sind eine Menschheitsfamilie, wir wollen keine Spaltung nach Nation, Religion und Hautfarbe", Daniele Ganser, so wie wir ihn kennen und wertschätzen.

Am Ende sprach Leo Simma, der Vorsitzende des Garten-Eden-Projekts Vorarlberg und aktueller Veranstalter, seinen großen Dank an Daniele Ganser aus, er zeigte Respekt vor seinem Mut, für seinen Einsatz und für seinen Humor, und auch er schloss mit den Worten "Wir brauchen Friedensgespräche in der Ukraine und kein Wettrüsten". Die Zuhörer dankten mit großem Applaus.

Am Rande des Vortrags konnte stattzeitung.org ein kurzes exklusives Interview mit Dr. Daniele Ganser führen. Dieses können Sie im s!!z-Bericht "Drei Fragen an Daniele Ganser." lesen.



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