EU macht's möglich: Insekten werden zu Pflanzen

von Michael Freiherr von Lüttwitz (Kommentare: 1)

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  • Insekten dürfen in verschiedener vegetarischer Kost enthalten sein.
  • Insekten können gesundheitliche Schäden verursachen.
  • Gesetzliche Regelung ist kaum vorhanden.
  • Hoher Profit ist für die Produzenten zu erwarten.

Insekteneiweiß ist vielleicht gesund, aber ich würde mich ekeln, auch wenn's kleingemahlen ist, allein der Gedanke – lieber nicht. Das waren Aussagen junger Passantinnen, die zu Insekten als Nahrungsmittel in der Hessenschau (ARD) Ende Januar 2023 befragt wurden. Grund der Befragung war die europaweite Zulassung von Getreideschimmelkäfern in Lebensmitteln durch die EU am 21. Januar 2023 (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023R0058). Weitere sieben Anträge auf Zulassung liegen vor. Seit 2021 sind bereits gemahlene Mehlkäfer und Wanderheuschrecken erlaubt und seit Februar 2022 Larven von Mehlwürmern, auch als Fleischanaloga (Fleischersatzprodukte).

Was ist dran, an den kleinen Krabbeltieren auf deutschen Tellern – sind sie eine wertvolle Nahrungsmittelquelle oder versprechen sie nur schnellen Profit mit Nebenwirkungen? Cornelia Oßwald, eine Vegetarierin aus Biberach versteht die Welt nicht mehr. Insekteneiweiß, also tierisches Eiweiß, darf bestimmten vegetarischen Lebensmitteln zugesetzt werden. Insektenprotein wird sozusagen als pflanzliche Eiweißquelle umetikettiert. Das ist Betrug am Kunden und an einer ganzen Ernährungsphilosophie.

Chitin ist das Außenskelett (Panzer) der Insekten. Chitin ist bei kritischen Betrachtungen der Insektenkost der erste Stein des Anstoßes. Chitin kann der menschliche Körper nicht verdauen, zudem feuert es das Immunsystem an. Es ist ungeklärt, inwieweit dieses Außenskelett als Ursache für chronische Krankheiten herangezogen werden kann. Das macht die Vegetarierin zusätzlich unsicher, denn man weiß nicht, was man sich mit der Krabbelgetier-Kost einhandelt.

Insekten sind fettreich. Fette sind immer beste Trägerstoffe für Schadstoffe, merkt Frau Oßwald an. Und weil die Behältnisse der oft in Asien produzierten Insekten desinfiziert werden, hat man schon gleich eine potenzielle Quelle für eine Schadstoffanreicherung. Insekten nehmen Schadstoffe besonders leicht und schnell auf. Ausgesprochen schlimm sind Stoffe, die zu Allergien über anaphylaktischen Schock bis hin zu systemischen Krankheiten führen können. Menschen mit Allergien gegen Hausstaubmilben oder Krusten- und Schalentiere müssen eine besondere Vorsicht an den Tag legen. Bei ihnen ist eine Kreuzallergie gegen Insekten nicht auszuschließen. Mit Erleichterung führt Frau Oßwald aus, dass Insekteneiweiß auf der Zutatenliste des entsprechenden Lebensmittels vermerkt werden muss. Wer die Zutatenliste liest, kann diese Produkte für sich ausschließen.

Ein klares Nein steht für C. Oßwald bei der Insektenkost im Vordergrund. Das scheint auch nachvollziehbar zu sein, denn es gibt bislang bei der Insektenproduktion für Nahrungsmittel weder behördliche Kontrollen noch Grenzwerte für Keimbelastungen oder Umweltgifte. Man ist auf Gedeih und Verderb dem Hersteller und seiner Produktionskette ausgeliefert. Schon bei der streng reglementierten klassischen Nutztierzucht sind oftmals Unregelmäßigkeiten vorhanden. Wie soll da bei der Insektenmassenproduktion der Konsument auf eine freiwillige Hersteller-Selbstverpflichtung guten Gewissens vertrauen? Anders ausgedrückt: Der Konsumentenschutz wurde bei der Zulassung der Insekten durch die EU nicht in Erwägung gezogen – so zumindest argumentiert Dr. Sylvia Limmer (AfD), Mitglied des Europäischen Parlaments.

Was landet also mit der Insektenkost in unserem Essen? Niemand weiß nichts Genaues. Und wenn der Konsument deshalb Gesundheitsprobleme bekommt – Pech gehabt. Darum kümmert sich bei der EU, die für die Insektenzulassung verantwortlich ist, niemand. Es wird scheinbar im wahrsten Sinne des Wortes über den Bürger nach dem abgewandelten Motto "friss und stirb" entschieden.

Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität von León führt neben den bereits erwähnten Schadfaktoren folgende Gefahren beim Insektenkonsum unter anderem auf:

  • Insekten-Alkaloide (basische Stoffe) sind ab einer bestimmten Dosis giftig.
  • Insekten mit Steroidhormonen, z. B. Testosteron, können bei fortwährendem Verzehr zu Wachstumsverzögerungen, Unfruchtbarkeit, Vermännlichung bei Frauen, Ödemen, Gelbsucht und Leberkrebs führen.

Diese Gefahren sind aber bei weitem noch nicht alles: Mykotoxine (Pilzgifte) in Insekten sind keine Seltenheit. Darunter befinden sich auch Aflatoxine. Sie gelten als krebserregend und können zu Wachstumsstörungen bei Menschen führen. Die vier Schwermetalle Kadmium, Blei, Quecksilber und Arsen reichern sich in Insekten besonders an. Menschen sind durch diese Umweltgifte schon besonders hoch belastet, jetzt kommt eine neue potenzielle Schwermetallbelastung in Form von Insektennahrung hinzu. Über Knochen- und Nierenschäden wird zum Beispiel bei Kadmium berichtet.

Studien über Insekten als Nahrung aus Thailand weisen auf die Anwesenheit von pathogenen (krankmachenden) Bakterien wie Vibrionen, Streptokokken und Clostridien hin. Auch Parasiten können durch den Insektenverzehr auf den Menschen übertragen werden. Generell kann man feststellen, dass zum derzeitigen Zeitpunkt nur sehr wenig über das Ausmaß gesundheitlicher Risiken durch den Insektenverzehr geforscht ist.

Die Tierschutzorganisation PETA spricht neben tierrechtlichen Aspekten (auch Insekten haben ein zentrales Nervensystem und Schmerzrezeptoren) sogar die Gefahr eines Pandemieausbruchs an, der durch die Insektenproduktion und deren Vermarktung denkbar ist. Zudem kann der Verzehr von Insekten zu einer emotionalen Abstumpfung führen: Was man isst, braucht man nicht zu schützen. Das wäre für die ohnehin schon gefährdete Insektenwelt ein zusätzlicher Nachteil.

Besonders ekelhaft empfindet C. Oßwald, dass man bei der Insektenkost den Darminhalt, also ihren Kot, unter Umständen mitisst. Hygienevorschriften zur Haltung von Insekten, analog der Nutztierhaltungen, existieren nicht. Insekten sollen zwar vor ihrer "Ernte" eine 24-stündige Futterabstinenz erfahren, damit der Darm leer ist, also keine eventuell krankmachenden Keime für den Menschen enthält, kontrolliert wird das aber, wie bereits erwähnt, nicht. Bon Appetit!

Der gesamte hygienische Hintergrund ist besorgniserregend. Der Verzehr von Krankheitserregern kann nicht ausgeschlossen werden und die Fütterung dieser in Massentierhaltung untergebrachten Insekten ist genauso wenig geregelt wie deren tierärztliche Versorgung. Jeder weiß, dass Massentierhaltung Krankheiten maßgeblich fördert, gegen die mit Medikamenten vorgegangen werden muss, und die dann in den Teller des Konsumenten gelangen, flechtet die Vegetarierin ein. Sie schüttelt nur den Kopf, weil man sich anstatt auf verbindliche gesetzliche Vorgaben nur auf die Herstellerangaben verlassen muss.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum brauchen wir in der EU überhaupt die Krabbeltiere in Fertigprodukten (Suppen, Gerichte auf Pizzabasis), Fleischanaloga, essfertigen Sandwiches, Mehl, Backwaren und deren Vormischungen, Nudeln, Keksen, Süßigkeiten, Schokolade, Getreideriegeln, Molkepulver, Milchprodukten, Chips und, und, und? Die Antwort lautet – zumindest vordergründig: Sie verbrauchen in der Eiweißerzeugung weniger Ressourcen und sind damit umweltschonender.

Dr. Sylvia Limmer vom Europäischen Parlament stellt die Sachlage mit kritischeren Worten dar: "Im Green-Deal ist angekündigt, man wolle neue Proteinquellen wie Insekten und Algen nutzen, um den Druck auf die landwirtschaftlichen Flächen zu verringern. Man wolle ganz bewusst das Ernährungsverhalten der Verbraucher ändern, sie umerziehen – nicht nur beim Essen – zum Schutz des Klimas, unseres neuen goldenen Kalbes." Damit wird die grüne politische Ausrichtung, die sich bislang häufig an einer Bürgerbevormundung oder gar Verboten orientiert hat, zur Diskussion gestellt.

Der entscheidende Punkt der Produktionskosten steht aber nicht im Fokus. Sie dürften nach den bisherigen Erkenntnissen bedeutend niedriger sein als in der konventionellen Nahrungserzeugung und deshalb besonders viel Profit versprechen, zumal so gut wie keine gesetzlichen Regelungen bei dieser Tierproduktion vereinbart sind. Und von den Schadwirkungen einer solchen Nahrung verliert die EU kein Wort! Deshalb lohnt es sich jetzt umso mehr, beim Lebensmittelkauf auf die Zutatenliste zu schauen – damit man auch weiterhin "guten Appetit" sagen kann, betont C. Oßwald.

Überhaupt will sie auf Fertigprodukte gänzlich verzichten. Und weiter erwähnt sie, wenn alle oder zumindest ein Teil der Konsumenten auf die Zutatenliste schauen würde, um dann die Finger vom entsprechenden Produkt zu lassen, kann man viel erreichen. Die Nachfrage regelt das Angebot - das war schon immer so. Ansonsten schwört sie auf ihren eigenen Anbau im Garten und verwendet stets saisonale Produkte aus der Region. Das garantiert für sie gesundes Essen und die Schonung von Ressourcen.

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Kommentare

Kommentar von Alexandra Obermeier |

Erstmal vielen Dank für den kritischen Artikel!
Ich habe es riskiert, ihn während des Mittagessens zu lesen, was mich sehr bestärkt hat, auf jeden Fall dem Aufruf von Frau Oßwald und des Autors zu folgen, in Zukunft die Zutatenlisten auf Verpackungen wieder einmal sehr genau zu studieren. Insgesamt verwundert mich die Hysterie, mit der zur Zeit der Verzehr von Insekten propagiert wird, suggeriert sie doch einen Proteinversorgungsnotfall nationaler Tragweite, und das alles mit dem Vorwand, den Druck auf landwirtschaftliche Flächen reduzieren zu wollen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung berichtet einen Verzehr von 57,3 kg Fleisch pro Person in 2020, das sind 157 g pro Person pro Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung jedoch empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600g Fleisch pro Woche zu verzehren, das sind 42,85 bis 85 g pro Tag pro Person, also deutlich weniger. Würde man sich dem oberen Bereich dieser täglich empfohlenen Menge annähern, hätte man immer noch reichlich Fleisch, und die landwirtschaftlichen Flächen könnten bereits um fast die Hälfte entlastet werden. Warum wird dieser einfache und gesundheitsfördernde Ansatz von Seiten der Regierung nicht vorgeschlagen?
Jedenfalls eignet sich das Projekt "Insekten essen" ausgezeichnet, die Voraussetzungen für außerordentliche Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, indem man der Bevölkerung einen Mangel- und damit Gefahrenzustand ins Gemüt hinein hypnotisiert, der in Wirklichkeit ganz und gar nicht gegeben ist.

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