Die Lücken im Vortrag zur Lückenpresse

von Stef Manzini (Kommentare: 0)

Meinung

Sensibilität wollte Ulrich Büttner mit seinem Vortrag über die "Gewalt der Medien" bei seinem Publikum erzeugen, das ist ihm in Bezug auf die Massen-Medien hinsichtlich der Beispiele für das, was man neu-deutsch "Framing" nennt, recht gut gelungen. Der Gymnasiallehrer, Historiker und in der Region viel gefragte Vortragsredner nahm dabei zu Recht den Mainstream in den Fokus - und gab damit quasi zu, dass "Fake-News" ganz bestimmt kein Alleinstellungsmerkmal der Neuen Medien ist. Neue Medien? Hat der Historiker da nicht etwas vergessen - oder dauert es bei eben jenem Berufsstand einfach ein paar Jahre länger, bis man bereit ist, eine neue Entwicklung im großen Blick auf das Ganze einzuräumen?

Büttner braucht eigentlich für die "Macht der Worte" nicht Beispiele aus den 1980-er Jahren (Afghanistan und Osama Bin Laden) zu bemühen. Ein Blick nach China im Dezember 2022 reicht komplett aus, um das von ihm angeprangerte "Wendehals-Denken" der sogenannten Leitmedien aufzuzeigen. Die Politik wertet jetzt den massiven Protest der chinesischen Bevölkerung gegen die "Null-Covid-Strategie" Chi Yin Pings als Beweis für Freiheitsliebe des Volkes gegenüber einer Diktatur. Die, nennen wir sie einmal charmant, äußerst wandelbaren Politikproduzenten (Qualitätsjournalisten) folgen in ihren Kommentarspalten willfährig. Zur Erinnerung: Ausgangsperren, Kontakt- und Betretungsverbote und Wasserwerfer gegen Demonstranten hatten wir hier in "Corona-Deutschland" auch noch bis vor kurzem. Menschen, die sich dagegen auflehnten und friedlich demonstrierten, wurden und werden als "Rechtsradikale" beschimpft, denunziert und nicht selten strafrechtlich verfolgt. Die Mainstream-Medien und mit ihnen einig fast alle Mandatsträger in unserem Land hielten den Protest gegen die Zensur in Deutschland gerade eben noch nicht für freiheitsliebend, sondern gingen konform in dessen Verurteilung. Wir sind ja nicht in China. Ach nein, sind wir nicht? Manchmal schon, könnte man sagen...

Konformität im Medienkonsum kann im 21. Jahrhundert nicht mehr flächendeckend verordnet werden. Alternative Neue Medien gehören längst in den Kontext Büttners Vortrags hinein - und sollten nicht nur mit einem nebulösen Seitenhieb "Verschwörungsblödsinn", den keiner der Anwesenden einordnen konnte, tituliert werden. Hier müsste vielleicht der Vortragende selbst sensibilisiert werden. Längst gehören die Neuen Medien in die Medienlandschaft. Menschen, die lesen können und wollen, suchen sich Alternativen zum betreuten Denken, verordnet von der bundesweiten Presselandschaft, vom großen Medienhaus bis zur kleinen Lokalzeitung. Ulrich Büttner selbst hat die Gründe für ein aufmerksames Betrachten der angeblichen "Wahrheiten" in den Mainstream-Medien in seinem Vortrag wohl benannt. Aber nicht nur der Blick in die internationale Presse, so man denn vielsprachig ist, hätte der "Medien-Experte" als Alternative aufzeigen können - freilich nicht müssen. Hinnehmen muss Büttner allerdings dadurch die Kritik, dass sein Vortrag deshalb auch lückenhaft ist, getreu der "Lückenpresse" über die er referierte.

Artikel-Zugriffszahlen von jenseits der 100.000, die ein neues Medium wie die stattzeitung.org nach wenigen Monaten bereits messen kann, zeigen längst, dass sich der Wind dreht - bitte lieber Ulrich Büttner nehmen sie dies wohlwollend zur Kenntnis. Vielleicht mögen sie ja einmal einen Vortrag zur 5.ten Gewalt- die der Neuen Medien halten? Ich werde ihnen dann auch wieder gerne und interessiert zuhören.

Zu diesem Kommentar der Bericht der stattzeitung (Herrschaft beginnt mit Sprache!).



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