Du bist, was du isst!

von Stef Manzini (Kommentare: 0)

  • 10 Mal mehr Kortisol im Schlachthoffleisch.
  • Hofschlachtungen sind humaner für die Tiere.
  • Stresstest beim Fleisch durch Studie belegt.
  • Hofgut Rengoldshausen schlachtet seit Februar 2021 selbst.

Bei der Hofschlachtung gehe es ihr in erster Linie um das Tierwohl und nicht um die Fleischqualität, dennoch seien die Auswirkungen auf das Fleisch gravierend, erklärte Mechthild Knösel, die „Kuhfrau“ vom Hofgut Rengoldshausen in Überlingen. Emotional, nicht sentimental nennt die Landwirtschaftsmeisterin die Beziehung zu ihren Rindern- und tötet das Schlachtvieh selbst. Seit 2006 trägt Mechthild Knösel die Verantwortung der rund 160-köpfigen Rinderherde. Seit Februar 2021, nach langen „Kämpfen“ mit den Behörden, wie sie sagt, führt sie nach strengen Richtlinien im eigens dazu angefertigten Prototyp eines Schlachtanhänger Hofschlachtungen auf dem Demeter-Hofgut durch. Das oberste Ziel dieser Maßnahme, den Tieren den Stress durch Transport und Schlachthof zu ersparen schmeckt man auch im Fleisch, war sich die Bäuerin schon im letzten Jahr sicher. Nun hat sie den Beweis für ihre Annahme, denn jetzt liegen die Ergebnisse einer Studie vor, die Knösel in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Mahle-Software-Ag“ durchführen ließ. Seit 2017 wird das Projekt „Hofschlachtung“ wissenschaftlich begleitet, und nun steht fest: „Der Gehalt von Kortisol, also dem Stresshormon, im Fleisch ist um den Faktor 10 niedriger bei der Schlachtung auf dem Hof, statt auf dem Schlachthof“, sagt die „Kuhfrau“ nicht ohne jeden Stolz. Das heißt 10 Mal mehr Stresshormon befindet sich im Fleisch des Tieres, welches nur drei Kilometer zum kleinen Schlachthof transportiert, und dort auch möglichst artgerecht im Wartestall steht und geschlachtet wird. Diese Tatsache, die jetzt belegt ist, lässt tief blicken in Richtung Massentierhaltung, lange Tiertransporte und große Massenschlachthöfe. Der Stolz der „Kuhfrau“, wie sich Mechthild Knösel gerne selber bezeichnet, gilt aber der Fürsorge um ihre Tiere, denen sie ein artgerechtes Leben, und nun auch einen stressfreien Tod ermöglicht hat.

Die wissenschaftliche Studie bestätigt dies eindeutig, dafür wurden 10 Schlachtungen auf dem Schlachthof und 10 auf dem Hofgut durchgeführt, das Schlachtvieh waren Bullen und Färsen (weibliche Jungtiere). Das Ergebnis der Studie bezeichnet die Bäuerin als „krass“, denn man muss wissen, dass der Fairfleisch-Schlachthof-Überlingen in den die Tiere bisher gebracht wurden nur drei Kilometer vom Hofgut entfernt liegt. Es sei also gewissermaßen ein Jammern auf hohem Niveau, aber man könne sich doch jetzt einmal vorstellen, um wieviel höher die Stressbelastung bei langen Transporten und großen Schlachthöfen sei- und wie sich das dann auf Tierwohl und Fleischqualität auswirke, erklärt Mechthild Knösel. „Dort stehen die Tiere auf engstem Raum, Rinder sind Herdentiere ihrer eigenen Herde, sie stehen im Schlachthof in Warteställen unter fremden Tieren nach einem Transport über hunderte Kilometer“, sagt Knösel und setzt hinzu, man bräuchte doch wenig Fantasie sich vorzustellen, wie sich diese Stressfaktoren auswirkten. Deshalb legt die Bäuerin, die das Töten der Tiere mit dem Bolzenschussapparat erlernt hat, Wert auf die Feststellung, dass sie immer die Rinder in ihrer kleinen Herde in vertrauter Umgebung des Offenstalles bis zum ultimativen Augenblick hält.

Bei einem Geschmackstest durch Blindverkostung zwischen Fleisch vom Discounter und Fair-Schlachtungen urteilten die zehn Probanten, das Fairfleisch sei saftiger, zarter und schmecke besser, als das konventionelle Fleisch vom Discounter. Es kamen die Qualitätsunterschiede basierend auf der Herkunft des Fleisches bei diesem Geschmackstest genauso deutlich heraus, wie sie das erwartet hätte, berichtet die „Kuhfrau“. Mechthild Knösel bedauert zwar einerseits jetzt nicht den gleichen Test zwischen den eigenen Hofschlachtungen und dem Fairfleisch-Schlachthof machen zu können, erklärt abesr, das sie sich nicht dazu überwinden könne, nur noch ein weiteres Tier in den nur drei Kilometer entfernten Schlachthof zu bringen.

Das erklärte Ziel der „Kuhfrau“ vom Demeter Hofgut Rengoldshausen bei Überlingen ist: „Weniger Masse und mehr Qualität“, dieses darf sich ihrer Meinung nach auch beim Preis niederschlagen. Das Kilogramm „Rindersteak“, im eigenen Hofladen, kostet um die 40 Euro.

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