„Wenn wir uns nicht wehren, wird es wieder geschehen“, Vera Sharav, Holocaust-Überlebende

von Stef Manzini (Kommentare: 1)

  • Gedenkveranstaltung zu „75-Jahre-Nürnberger-Kodex“ in Nürnberg.
  • Nie wieder Zwangsmedizin forderten rund 11.000 Demonstranten.
  • Ethisch und moralische Medizin-Leitlinie nun in aller Munde.
  • Holocaust-Überlebende aus New York wegen ihrer Rede angezeigt.
  • Rainer Füllmich, Anselm Lenz und Walter Weber unter den Gästen.
  • Vera Sharav und Mary Holland aus New York City eingeflogen.

An der Nürnberger Sebaldus-Kirche starten die „Studenten stehen auf“ um 11 Uhr ihren Spaziergang zur Feier der Gedenkveranstaltung „75-Jahre-Nürnberger-Kodex“. Dort steht viel Polizei. Dort steht auch Presse. Ich treffe eine Reporterin vom „Jüdischen Forum München“. Sie ist mit ihrem Begleiter gekommen, um zu dokumentieren, was heute in Nürnberg passiert. Ihre Meinung jedoch steht bereits fest. Der Holocaust wird durch diese Veranstaltung relativiert und verharmlost, ist sie überzeugt. Sie sei gegen einen Vergleich mit der Shoa und die „rechten“ Teilnehmer verabscheue sie, erklärt sie mir. „Rechtsextremisten“ sehe ich an diesem Tag keine, dafür treffe ich die Reporterin wieder. Später am Tag im Pressebereich vor der Hauptbühne auf der Wöhrder Wiese. Gerade spricht die 1937 geborene Vera Sharav, sie ist eine Holocaust-Überlebende. Während ich diese Zeilen schreibe, muss Rechtsanwalt Holger Fischer vermelden, dass irgendjemand Vera Sharav zusammen mit anderen angezeigt hat, weil sie angeblich auf der Nürnberger Gedenkveranstaltung den Holocaust verharmlost haben sollen. Mich stimmt diese Mitteilung nachdenklich, und ich frage mich nicht zum ersten Mal, wem das mehr schadet - der jüdisch-stämmigen New Yorkerin oder dem Ansehen der unabhängigen deutschen Justiz überall auf der Welt, wenn so eine Anzeige unter Umständen verfolgt wird. Ist es nicht seltsam, dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass doch gerade die Warnungen einer selbst Betroffenen nicht nur gehört, sondern ernst genommen werden sollten? Wie merkwürdig befremdlich klingt der Vorwurf, gerade die Frau würde den Holocaust verharmlosen, die, anders als die meisten von uns, ihn am eigenen Leibe verspürt hat? Es war übrigens der erste Besuch der Holocaust-Überlebenden Vera Sharav in Deutschland. (Ein Video mit der Rede von Vera Sharav, ins Deutsche übersetzt, steht am Ende dieses Artikels).

„Ich bin nach Nürnberg gekommen, um der aktuellen Bedrohung unserer Zivilisation einen historischen Kontext zu geben“, das ist der erste Satz der 84-jährigen zierlichen Frau auf der riesigen Bühne. Vera Sharavs Worte, kraftvoll und wirkmächtig gesprochen, werden sich in mein Gedächtnis brennen, für mich der ergreifendste und emotionalste Moment in Nürnberg. Mit messerscharfer Präzision hat Vera Sharav für die heutige Feier auf den Punkt gebracht, um was es den Organisatoren und den Teilnehmern geht. Eben diese Organisatoren, die Arbeitsgemeinschaft „Gedenkveranstaltung-75-Jahre-Nürnberger-Kodex“ um Barmak Djavid, Uwe Alschner und Dr. Walter Weber (Ärzte für Aufklärung) hätten dafür wohl keinen besseren Ehrengast einladen können, als die Jüdin, die als dreijähriges Kind in Rumänien miterleben musste, wie ihre Familie in die Ukraine deportiert wurde, um sie dem Hungertod zu überlassen, und ihr Vater später im Konzentrationslager an den Folgen einer Typhuserkrankung verstarb. Gibt es einen Menschen, der ein größeres Recht darauf hat, diese Worte zu sprechen als Vera Sharav, frage ich mich.

Die Reporterin vom „Jüdischen Forum München“ und ich stehen vis-à-vis im Pressebereich vor der großen Bühne, hören die Worte der Holocaust-Überlebenden und sehen uns tief in die Augen. Worte zwischen uns sind nun nicht mehr nötig.

In der Menge der rund 11.000 Menschen (nach Angaben der Organisatoren) auf der Wöhrder Wiese stehen ganz vorne zwei Frauen von „Juden für Aufklärung“. Sie tragen ein Banner mit einem blauen Stern auf weißem Grund und dem Namen ihrer Bewegung „Juden für Aufklärung“. „Sie sollen", so erzählen mir später die aufgebrachten und völlig aufgelösten Frauen, „sofort das Banner einrollen", forderten die in Schwarz gekleideten Polizisten sie auf. Sie müssten mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung rechnen, so die Polizei. „Sie sind Jüdinnen", sagen sie, „und verstehen nicht, was das soll". Verwirrt frage ich mich, ob Antisemitismus auch so geht?

Zwischen den Ereignissen vor der Kirche und auf der Wiese liegen etwa zweieinhalb Stunden, so lange dauerte der lange Gang der Studenten und der in ihrem Gefolge mehrere Tausend Teilnehmer (nach Angaben der Organisatoren), kreuz und quer durch die Nürnberger Innenstadt (Videozusammenschnitt am Ende des Artikels). Aufgefallen ist mir dabei „Bernd“ von „StayawakeBayreuth“, dem es gelang, mit seinem Sound-Rucksack unablässig zu den Nürnbergern am Straßenrand zu sprechen und sie damit direkt anzusprechen und miteinzubeziehen. (Ein Video steht am Ende dieses Artikels). Ich lerne viele Menschen von überall her kennen - München, Berlin, Augsburg, Hamburg. Mit dabei ist auch Stefan aus Erfurt. Der Thüringer nennt mir seine Beweggründe, heute hier mit dabei zu sein. Er sei sonst eher ein zurückhaltender Mensch, aber an diesem Tag wolle er sein Gesicht zeigen, für seine Grundrechte und gegen Zwangsmedizin in Deutschland - darunter verstehe er die „Corona-Gen-Impfung“ - eintreten, erzählt er mir. Nicht mit dabei ist Robert Francis Kennedy Junior; der Aktivist aus den USA mit dem berühmten Familiennamen hatte, wie mir später ein Insider steckte, so exaltierte Sonderwünsche, dass die Organisatoren aus Kostengründen auf ihn verzichteten.

Die große Gedenkveranstaltung zum „Nürnberger Kodex“, er wurde zum Abschluss der Verurteilung der Ärzte in den sogenannten Nürnberger Prozessen 1946/47 als Leitlinie medizinischen Handelns erlassen, hat selbstverständlich mit der Aktualität zu tun. Wer will das bestreiten? In einer Zeit der „medizinischen Zwangspolitik“, in der die Ärzte wieder mitmachen, wäre das nur natürlich, warnt Vera Sharav. Sie erklärt, was dadurch wieder entstehen könnte, ja doch bereits einmal entstanden sei. Auf die Aufklärung durch die kontrollierten Medien könne man nicht mehr setzen, sagte sinngemäß Vera Sharav, die hätten schon einmal total versagt.

Zur Erinnerung: Der „Contergan-Skandal“ - Anfang der 1960er Jahre wurden in Deutschland plötzlich viele Kinder geboren, denen Arme oder Beine fehlten - bedurfte 50 Jahre der Aufarbeitung bis zum Eingeständnis der Schuld der beteiligten Pharma-Firmen. Unendliches Leid ist dadurch für die Betroffenen entstanden.

Der Zweck einer Gedenkveranstaltung ist eine Warnung, sagt in ihrer Rede Vera Sharav. Der „Nürnberger Kodex“ ist der höchste ethische und moralische Kompass für Mediziner überall auf der ganzen Welt, in die diese Veranstaltung auch ausgestrahlt wurde. Der Kodex ist die Garantie dafür, dass Ärzte, die gegen ihn verstoßen, persönlich dafür haftbar gemacht werden. Dazu die Veranstalter der Gedenkfeier ganz zu Beginn: „Wir dürfen und wollen hier nicht vergleichen, wir wollen warnen“.

Eine Relativierung des Holocaust, eine Verharmlosung oder gar Verleugnung dieser grauenhaften Zeit und ihrer Taten, oder Pöbeleien von Teilnehmern des Zugs habe ich während des kompletten Spaziergangs durch die Stadt und auch danach bei der Gedenkfeier auf der Wöhrder Wiese nicht erlebt. Freimütig gestehe ich dazu mein eingeschränktes Sichtfeld, ich war im Zug von Anfang bis Ende dabei, war vorne, in der Mitte und hinten und auf der Wöhrder Wiese unmittelbar in der ersten Reihe vor der Bühne. Das jetzt von der „Antifa-Nürnberg“ seitenlang beschriebene Szenario mit Hass und Hetze habe ich nur über die Antifa selbst gehört. Mir wurde vor Ort gesagt, mehrere Aktivisten der „Antifa-Nürnberg“ wären gerade wegen massiver Pöbeleien von der Polizei des Platzes verwiesen worden. Die schlimmsten Verächter der Elche sind oft selber welche, fällt mir spontan dazu ein. Mehr kann und will ich zur Antifa oder den Gegendemonstrationen von der Gewerkschaft „ver.di“ oder den „Ärzten gegen Atomkraft“ nicht sagen, denn es waren Randerscheinungen.

Neben Mary Holland von Childrens Health Defence (Verteidigung der Gesundheit der Kinder) und Vera Sharav, Gründerin der Alliance for Human Research Protection (AHRP), einem nationalen Netzwerk von Laien und Fachleuten, die sich für die Einhaltung der humanitären Werte und ethischen Standards der Medizin einsetzen, die im hippokratischen Eid verankert sind, und die aus New York City eingeflogen wurden, ist der Auftritt der Hebamme „Jassy“ herauszuheben. Die Insiderin aus vorderster Front unterbrach immer wieder ihre kurze Rede aufgrund des großen Beifalls, aber auch kundgetanem Entsetzen, denn ihre Schilderungen von gehäuften Fehlgeburten, zwei bis drei Monate nach der „Covid-Impfung“ gingen unter die Haut. „Das sind alles Kinder, auf die sich ihre Eltern gefreut haben“, rief sie in die Menge, und man merkte ihr ihre eigene Bestürzung an. Ihre Botschaft gab einen tiefen Einblick in die ihrer Meinung nach verheerende Situation bei geimpften und werdenden Müttern, die beispielsweise an nicht kontrollierbarem Bluthochdruck litten. Die mutige Hebamme erklärte, sie müsse immer wieder ihre Kanäle in den sozialen Netzwerken wechseln, sie würden immer wieder abgeschaltet. Bemerkenswert ist auch die kurze Rede eines jungen Kieferchirurgen von „Studenten stehen auf“, der auf der Bühne berichtet, der „Nürnberger Kodex“, immerhin seit 1946/47 die Leitlinie medizinischen Handelns in Deutschland, habe während seines Medizinstudiums in den Hörsälen der Universitäten keine Rolle gespielt, er sei nicht einmal erwähnt worden.

Unmöglich ist es mir, hier an dieser Stelle alles wiederzugeben, was sich in Nürnberg ereignete. Zu tief sind noch meine Eindrücke und Empfindungen, mein großer Respekt für die Organisatoren und den riesigen Helferkreis, die diese Gedenkfeier möglich gemacht haben. Die mit Freundlichkeit und großer Geduld angesichts des riesigen internationalen Presseaufgebots, mit Kaffee, Auskunft und Pflaster zur Stelle waren, wann immer benötigt.

Beeindruckt war ich zum einen von der hochkarätigen RednerInnen-Liste und dem prominent besetzten Gesprächs-Forum mit Namen wie unter anderem Rolf Kron (Ärzte stehen auf), Beate Bahner (Rechtsanwältin) und Pastor Martin Michaelis. Der ehemalige Vorsitzende der Pfarrergesamtvertretung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Michaelis wurde quasi über Nacht fast allen seinen Ämtern enthoben, weil er sich kritisch zur „Impfpflicht für die Pflege“ und zu „Corona-Maßnahmen“ äußerte. Der Pastor gehört zu dem Bündnis „Christen stehen auf“ und gibt mir am Rande der Veranstaltung ein exklusives Kurz-Interview für stattzeitung.org. Dass Gläubige vielerorts, auch bei mir zuhause in Überlingen, aufgrund des Hausrechts der Diözesen auch nach den „Lockdowns“ nur maskiert Zutritt in die Kirchen erhielten, nennt er Gotteslästerung. (Ein Video des Interviews steht am Ende dieses Artikels).

Mein kurzes persönliches Gespräch mit Dr. Walter Weber, der seit über 50 Jahren als Internist praktiziert und Gründer der „Ärzte für Aufklärung“ ist, genau jener Vereinigung von Medizinern, die hier aus Deutschland kommen und die ersten weltweit waren, die gegen „Gen-Impfung“ und „falsche Maßnahmen“ aufstanden, informierten und protestierten, wird mir im Gedächtnis bleiben.

Zum anderen kann ich nur meine Bewunderung ausdrücken für Tausende Menschen, die nach einem stundenlangen Spaziergang durch die Stadt dann noch weitere sieben Stunden auf der Wöhrder Wiese vor der Bühne ausharrten, auch im kurzen heftigen Regenschauer, und allen RednerInnen Aufmerksamkeit zollten. So wichtig, und das war eine machtvolle Demonstration dafür, ist diesen Menschen ihr Anliegen und die Möglichkeit, in Nürnberg Präsenz zu zeigen.

Randnotizen: Rainer Füllmich (Corona-Ausschuss) stattete der Veranstaltung in Nürnberg seinen Besuch ab, Anselm Lenz (Deutscher Dramaturg und Mitorganisator der Proteste gegen „Corona“) war viele Stunden zugegen, ebenfalls Dr. Walter Weber (Gründer von „Ärzte für Aufklärung“ und seit mehr als 50 Jahren praktizierender Internist) und viele weitere Menschen, die sich seit Jahren an die Spitze der Bewegung gegen „Zwangsmedizin“ und „Corona-Maßnahmen-Politik“ setzen.

Lassen wir das Schlusswort den Organisatoren der denkwürdigen Gedenkfeier:
„Unsere Kritik ist politisch, sie ist die Kritik an einer falschen Politik, die fällt nicht vom Himmel, die wird von Menschen gemacht“, es waren indes die ersten Worte, die in Nürnberg, der Stadt der Menschenrechte, an diesem 20. August 2022 auf der Bühne zum Gedenken an „75-Jahre-Nürnberger-Kodex“ gesprochen wurden.


Ausgewählte Redebeiträge zu "75 Jahre Nürnberger Kodex" auf der Wöhrder Wiese in Nürnberg

Ein paar ausgewählte Redebeiträge finden Sie im Folgenden als eingebettetes Video, um sich selbst einen eigenen Eindruck zu verschaffen.






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Kommentare

Kommentar von Gebhard Unger |

Hallo Stef,
herzlichen Dank für diesen sehr ergreifenden Bericht, so können auch jene, die nicht vor Ort waren "einbezogen" werden, in die offensichtlich einzigartige Stimmung dieser Veranstaltung. Eine sehr einfühlsame Schilderung, man glaubt selbst dabei gewesen zu sein.
Danke
Gebhard

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