Michael Jeckel, ihn nerven die Corona-Demonstranten

von Stef Manzini (Kommentare: 2)

Bild: Stef Manzini

Der „Überlinger Galgen-Wirt“ nimmt kein Blatt vor den Mund. Er ist streitbar und polarisiert damit. Jeckel hat eine Geschichte, die Erfolgsstory des „Galgenhölzles“. Weit über 400.000 Liter Bier in 43 Jahren seit 1979, das sind fast 1 Millionen „Halbe“ ist mal eine Hausnummer. Der Dorfer, eine Fasnachtsveranstaltung für Männer, ist Kult und eine feste Größe in der Überlinger Fasnet. Da zeigt der Wirt sein komödiantisches Talent, zum Beispiel als Donald Trump, „Überlinge- First“. Aber ein Teil seiner Geschichte ist auch unrühmlich, ja sogar ruchbar. „Jeckel-First“. Kontakte in das Hamburger Rotlicht-Milieu. Lange her. Die Rettung der „Zehntbauern“ durch angebliche Kontakte zur Unterwelt. Hauptsache sie sind wieder da. Steuerhinterziehung im sechsstelligen Bereich mit dem Rheingold. Geschenkt. Dem „Uli Hoeneß von Überlingen“ hat das alles nicht geschadet. Er saß im Stadtrat und im Kreisrat für die CDU und war lange Vorsitzender der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband). Nun ist Jeckel genervt wegen der „Corona-Demonstranten“, die jeden Montag unverdrossen auf der Hofstatt stehen und an seiner Kneipe vorübergehen. Dazu, zur Lage der Politik - und dem Politikversagen und zu dem aktuellen „Ukraine-Krieg“ die Fragen der stattzeitung.org an den Überlinger Silberrücken. Michael Jeckel hat stets Klartext geredet. In einer Zeit der „Wegducker“, in der kaum noch „Verantwortliche“ auch Verantwortung übernehmen, ist der Wirt authentisch - und spricht Klartext. Alles klar?

s!!z: Du hast mir gesagt, dich stören die Demonstranten, die auf ihren Schildern vor der Impfung warnen. Diese Menschen sind aufgrund der Informationen ihrer medizinischen Experten davon überzeugt, dass der neuartige „Impfstoff“ a) zu wenig erforscht, b) gesundheitsschädlich und c) weitestgehend unwirksam ist.
Machen wir es mal plastisch. Du bist ein ausgezeichneter Bierexperte, sagen wir einmal, es gibt ein neues Bier, das schmeckt wie Bier und schäumt wie Bier - ist aber künstlich hergestellt und enthält keinen Hopfen und kein Malz. Viele Wirte entscheiden sich, das auszuschenken. Viele die es trinken, kriegen Kopfschmerzen, bei einigen zeigen sich deutliche Beschwerden und manche sterben daran. Ein Lebensmittelexperte, dem du vertraust, macht dieses Bier dafür verantwortlich. Würdest du, wenn du könntest, den Versuch unternehmen davor zu warnen?

MJ: „Nein. Das ist die Freiheit jedes Einzelnen es zu trinken oder es zu lassen."

s!!z: Und bei der „Corona-Impfung“?

MJ: (Jeckel schüttelt den Kopf) „Wenn du eine Tablette einnimmst, interessieren dich die Nebenwirkungen doch auch nicht. Wenn du ein Medikament auf absolute Verträglichkeit ausrichtest, dann haben wir gar keine Medikamente mehr. Was ist nun größer, der Nutzen oder der Schaden für den Einzelnen, das wäge ich ab und danach entscheide ich für mich."

s!!z: Also bist du für eine freie Impfentscheidung?

MJ: „Absolut ja. Es ist auch nicht so, dass ich keine „Impfschäden“ anerkenne, ich habe selbst solche Fälle in meinem Bekanntenkreis. Einer davon liegt nach der Impfung seit 12 Monaten im Bett, das ist richtig traurig."

s!!z: Aber nur dafür kämpfen doch die Demonstranten, denn die Pflegekräfte dürfen keine freie Entscheidung treffen, findest du das etwa gut?

MJ: „Wenn die sich jedes Mal testen, bevor sie arbeiten, wo ist dann das Problem?“

s!!z: Aber wo ist denn dann dein Problem mit den Demonstranten? Du lässt ja auch schon mal den Narrenmarsch laufen, um sie zu stören, bezeichnest sie als „Pack“?

MJ: „Ich habe mich einfach darüber aufgeregt, dass einmal im Winter bei einer Demo Rechtsradikale aus Österreich hier waren und die haben Flugblätter verteilt. Damit wird doch eine Demo, die eigentlich gut gemeint ist, auch wenn sie nichts nützt, von denen instrumentalisiert. Das eine nützt also nichts und fordert das andere auch noch heraus, das ist für mich der Punkt, das stört mich."

s!!z: Du siehst also eine Gefahr von „Rechts“?

MJ: „Natürlich. Als ich 2019 noch im Kreisrat war, gab es laut offiziellen Zahlen 180 Reichsbürger im Landkreis Friedrichshafen."

s!!z: Aber diese Leute an jenem Montag waren ganz bestimmt Österreicher?

MJ: „Ja, die waren aus Österreich, da bin ich mir sicher. Aber Leute wie diese Reichsbürger und das andere Gesocks sind für mich der Gipfel, die verrennen sich volle Pulle in Richtung Wohlstandsverwahrlosung. Sie möchten mit unserem Staat nichts zu tun haben, aber nehmen alle Leistungen in Anspruch. Das ist schon das Höchste, wenn ich könnte, ich würde das beenden, aber es geht uns offenbar noch zu gut. Für die Hobby-Demonstranten möchte ich, dass sie nach dem Verursacherprinzip auch das Geld für die Polizisten bezahlen müssen, die hier jeden Montag antreten. So wie ich selbst auch meine Security bezahle."

s!!z: Kurze Zwischenfrage, im Galgenhölzle waren noch nie Leute mit rechtsnationalistischer Gesinnung?

MJ: „Keine Ahnung, das sehe ich denen ja nicht an. Aber wenn wir sowas merken, dann fliegen die „Rechten-Spinner“ raus. Und das ist mein Punkt mit den Demonstrationen, die lassen die mitlaufen."

s!!z: Gilt deine Forderung nach Bezahlung auch für die Polizeieinsätze Woche für Woche in deutschen Fußballstadien wegen der Hooligans?

MJ: „Na klar."

s!!z: Apropos „Corona-Maßnahmen“, darüber haben wir letztes Jahr einmal gesprochen. Da lag nach Auswertung einer großen Krankenkasse der Hotel- und Gastronomiebereich, also auch Kneipen, auf dem vorletzten Platz der sogenannten „Spreader-Events“ (eine Veranstaltung oder ein Ort, der eine Infektion schneller verbreitet). Du musstest trotzdem schließen im Lockdown. Die Demonstranten setzen sich für Freiheit und gegen diese „Corona-Maßnahmen-Politik“ ein. Also warum stehst du nicht an ihrer Seite auf dem Platz oder organisierst Dehoga-Demos für die Wirte?

MJ: (lächelt nachsichtig) „Ich habe doch schon gesagt, warum - weil es nichts nützt. Das ist alles vergebene Liebesmüh von Leuten, die nicht über den Tellerrand hinausdenken, weil es nichts bringt. Als wir damals beim Rauchverbot in Kneipen unser Zelt im Galgenhölzle aufgestellt haben, da haben die einfach die Gesetze geändert - und aus war´s. Meinst du, mir stinkt das nicht? Wir mussten im Lockdown vom 16. März 2020 bis zum 22. Mai 2020 und dann vom 2. November 2020 bis 22. Mai 2021 schließen. (Jeckel hat diese Zahlen im Kopf, sie kommen wie aus der Pistole geschossen). Die Security-Mitarbeiter, die diese Corona-Maßnahmen kontrollieren mussten, haben mich 60.000 Euro gekostet."

s!!z: Okay, Themenwechsel. Demnächst darfst du Friedens-Demos erwarten von Leuten, die nicht einverstanden sind mit den Waffenlieferungen an die Ukraine und lieber verhandeln wollen.

MJ: „Thema verfehlt. Wir sind nicht in Verhandlungen mit Putin."

s!!z: Also gilt für dich „Kugel stoppt Kugel“?

MJ: „Ja." (Hier möchte der Wirt und Politiker aber etwas ausholen, ihm ist wichtig zu erklären.)
MJ: „Wir müssen die Ukraine zunächst einmal militärisch in eine Lage versetzen, in der sie für Putin zu einem ernsten Gegner wird. Nur dann verhandelt er auf Augenhöhe. Putin kannst du nur über Stärke kriegen, auch die Panzerhaubitzen werden wirken. Langfristig wird den Russen aber auch besonders die Abkoppelung aus dem SWIFT-Banken-System richtig weh tun."

s!!z: Alice Schwarzer, du hältst sie sicher für eine „feministische Nervensäge“, aber sie hat immer zu ihrer Meinung gestanden, genau wie du. Diese Frau ist nicht feige, und ich glaube, du respektierst sie.

MJ: (schmunzelt) „Tu ich."

s!!z: 250.000 Menschen haben Schwarzers Brief an den Kanzler unterschrieben, der sich gegen weitere Waffenlieferungen ausspricht und die Gefahr eines Atomkriegs thematisiert. Wir, du und ich, haben Kriegseltern gehabt. Kann es nicht sein, dass viele Menschen nicht aus Feigheit, sondern aus der Angst heraus, dass Deutschland wieder einen Weltkrieg auslöst, so zögerlich sind. Also ein Ding der Vergangenheit?

MJ: „Ich habe keine Angst vor einem Atomkrieg, aber natürlich, da hast du recht, das treibt diese Leute auch an. Sie denken es aber nicht zu Ende und meinen immer noch, Putin auf die gute Art zum Ende zu bringen. All die Verhandlungen liefen doch ins Leere. Alice Schwarzer und ihr prominenter Haufen kann da auch nichts ausrichten, daher nochmal meine Worte, Thema verfehlt."

s!!z: Wen würdest du also als „Verhandler“ vorschlagen, Angela Merkel, die konnte doch gut mit Putin?

MJ: „Ne, ich denke der einzig Richtige wäre Xi Jinping (chinesischer Staatspräsident), aber der steckt da in einem Interessenskonflikt."

s!!z: Noch einmal zu den Demonstranten, die dich so ärgern. Hast du keinerlei Verständnis für ihre Anliegen, ich höre doch einen gewissen Ärger auch über unsere Politik bei dir heraus?

MJ: „Unsere Demokratie hier ist immer noch am besten, aber wir leiden unter einem Gesetzgebungswahn. Darum geht hier nichts mehr, und die Menschen sind frustriert. In Texas dauert eine Baugenehmigung vier Stunden, bei uns mindestens ein Jahr. Wenn dieser Staat nicht endlich aufwacht und merkt, was hier alles schief läuft, dann schafft er sich selbst ab. (Das kannst du ruhig aufschreiben, sagt Jeckel, der gerade 70 Jahre alt geworden ist und 20 Jahre für die CDU im Stadt- und Kreisrat saß). Damit meine ich sowohl die Legislative (gesetzgebende Gewalt), wo eines dem anderen in allen Bereichen immer im Weg steht, als auch die Exekutive (vollziehende Gewalt, zum Beispiel Behörden, Kommunen, Polizei). Der Frust bei der Polizei und bei den Richtern ist enorm. In der Schweiz, da gibt es Schnell-Prozesse, das fehlt hier doch. Hier geht nichts, und das ist Wasser auf die Mühlen der rechten und linken Extremisten und sonstigen Verbrechern."

s!!z: Das geht aber jetzt nicht auf das Konto der „bösen“ Demonstranten, oder? Also frage ich nun den Politiker in dir, gibt es eine Mitschuld vom Staat betreffend der Panik vor dem Virus und der Angst vor einem Atomkrieg?

MJ: „Natürlich. Die Panikmache von Politik und Medien zu Corona und einem bevorstehenden Atomkrieg hat uns doch erst in diese Lage gebracht."

Michael Jeckel, geboren 1952 ist waschechter Überlinger. Seine Eltern betrieben den Kiosk im Westbad, dort gab es Kartoffelsalat und Wienerle. Seit Jeckel 1979 die Kult-Kneipe „Galgenhölzle“ in der Überlinger Münsterstraße eröffnet hat, flossen dort bis heute weit über 400.000 Liter Bier (das sind rund 1 Million „Halbe“). Michael Jeckel ist ein ausgesprochener Bier-Experte, der auch über bundesweite Vertriebszahlen und Trends bestens Bescheid weiß.

Zur festen Größe in der Überlinger Fasnet gehört der legendäre „Dorfer“, Einlass (bis auf wenige Ausnahmen) nur für Männer. Damit schafft sich Jeckel auch seine eigene Bühne, denn seine Auftritte gehören stets zu den Höhepunkten der schlüpfrigen Veranstaltung. Kneipen hatte der Karate-Meister Jeckel auch im Hamburger Rot-Licht-Bezirk und in Konstanz.

Für die CDU saß er 20 Jahre am Überlinger Ratstisch und im Kreisrat, Jeckel gilt als Freund von Landrat Lothar Wölfle. Im Regionalverband war Jeckel 15 Jahre politisch tätig, außerdem 14 Jahre Dehoga-Vorsitzender (Deutscher Hotel und Gaststättenverband) für den hiesigen Raum.



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Kommentare

Kommentar von Ferdinand Lohr |

Lieber Herr Jeckel,
ich bin komplett überrascht über Ihre Aussagen. In vielen Bereichen stimme ich ihnen völlig zu. Nur ihre Position zu den Corona Demo Protestanten passt irgendwo überhaupt nicht in dieses Weltbild. Sie sind offensichtlich wie ich ein rationaler Pragmatiker. Dann nehmen Sie doch die offiziellen Zahlen und vergleichen dies mit vor und nach Impfung. Das Ergebnis ist doch für Impfbefürworter eine einzige Katastrophe. Weshalb sind Sie dann der Meinung, und das ist Konsequenz Ihrer Haltung, dass man Menschen zwingen sollte sich mit dieser gentechnischen Maßnahme zu beglücken. Dies ist doch für die Mehrzahl der Demonstrierenden der Grund weshalb sie auf die Straße gehen. Rechte oder Reichsbürger, welche eine verschwindend kleine Minderheit darstellen, findet man sicher auch im Galgenhölzle.

Kommentar von Frank Waldvogel |

Liebe Stef Manzini,
voller Begeisterung habe ich dieses erkenntnisreiche Interview gelesen. Herzlichen Dank für Ihre Fragen und Ihre kreative Gesprächsführung!

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