Manzini macht sich Gedanken

von Stef Manzini (Kommentare: 3)

Bild: Stef Manzini
Meinung

Russland ist schuld. Amerika ist schuld. Die Ukraine ist schuld. Europa ist schuld.
Putin hat Recht. Biden hat Recht. Selenskyj hat Recht. Von der Leyen hat Recht.

Krieg ist Unrecht. Krieg macht Tod.

Als ich Kind war, das war Anfang der 1970-er Jahre, spielten wir im Wald „wenn der Russe kommt“, und versteckten uns. Das ist jetzt 50 Jahre her.

Mein Vater wurde als 17-jähriger eingezogen und im Zweiten Weltkrieg an die Ostfront geschickt. Er kam mit 25 Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Seine ganze Familie, Eltern und drei Geschwister, starben in ihrem Heimatort Wuppertal, bei einem Luftangriff der Engländer.
Mein Vater erzählte mir oft, dass er sein Überleben in Kriegsgefangenschaft auch der Hilfe einer russischen Ärztin verdankte.
Das lange Leben meines Vaters, er starb 2015 mit nahezu 92 Jahren, war geprägt von den Kriegstraumata, und dem Verlust seiner Familie.

Meine Mutter zählte zu den Vertriebenen. Sie lebte mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf in der Mark Brandenburg, etwa 130 Kilometer südöstlich von Berlin. Das Dorf wurde von polnischen und russischen Soldaten überrannt. Meine Mutter stand eine ganze Nacht lang versteckt in der hölzernen Außentoilette des Hauses, und hörte die Schreie der vergewaltigten Frauen.
Diese Nacht des Schreckens erlebte sie mit gerade einmal 13 Jahren. Es ist ihr nichts passiert- doch, der seelische Schaden sollte sie ihr Leben lang begleiten. Das Schicksal, dass meiner Mutter erspart blieb, ereilte meine Patentante in Berlin. Die Vergewaltiger waren allerding amerikanische GI´s.

Der Russe ist schuld. Der Ami ist schuld....
Wer ist schuld? Wer hat Recht?
Ich weiß es nicht.

Meine Generation kennt Krieg nur vom Hörensagen, allerdings sind die Schilderungen der Eltern und der Alten mir in sehr lebhafter Erinnerung. Waren sie ehrlich sagten sie, wir alle waren schuld.

Jetzt kommt zu Corona auch noch die Ukraine. Sollen, müssen wir schon wieder und noch mehr Angst haben? Um uns hier? Vor was? Vor der Kälte weil die Gaslieferungen ausbleiben könnten, oder vor einem Atomkrieg? Oder doch vor den entsetzlichen Bildern von Toten, die wir nicht kannten ganz weit weg? 1.000 Tränen werden fließen.

Uns im Wald verstecken vor den Russen, den Amis oder sonst wem geht nicht, diese Kindheitsphantasie ist passé.

Krieg ist Scheiße!
Für alle und in jedem Fall!

Soviel ist sicher. Alles andere nicht.

Was machen wir jetzt? Über Diehl nachdenken? Defence, also nur Verteidigung, aber dafür mit bunkerzerstörenden Waffen? Diehl, so nah. Die Ukraine so fern. Berliner fahren Ski in der Ukraine, so wie wir in den Alpen. Nichts ist fern. Was ist naheliegend?

Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Jesus Christus.



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Kommentare

Kommentar von Frank Dietze |

Warum folgen Soldaten dem Befehl der obersten Befehlshaber und benutzen ihre Waffen zu dem Zweck zu dem sie gebaut sind?
Ich weiss es nicht mehr.
Nicht mehr?
Ja.
Ich war 18 und ich war Soldat. Und ich bekam eine Waffe. Und ich hätte sie benutzt, wenn es befohlen worden wäre.
Heute, vierzig Jahre später verstehe ich das nicht mehr.
Was macht eine menschliche Gesellschaft falsch, wenn ihre jungen Männer bereit sind auf Befehl zu töten?
Was würde passieren wenn so ein Befehl nie und von niemandem befolgt werden würde?

Kommentar von Johannes Windschnurer |

Ich war 18 und wurde Soldat. Und ich bekam eine Waffe. Mein erster Gedanke war- wie kann es sein das ein freier Staatsbürger unter die Drangsal von Offizieren und vor allem Unteroffizieren gestellt wird und völlig wehrlos ist und dabei noch Wehrmann heißt.
In meiner Familiengeschichte finde ich Deserteure, Kriegsdienstverweigerer, Bauernaufständler. Und unbändigen Freiheitswillen. Lieber Frank, wir müssen es vorleben, wir müssen es in die nächsten Generationen tragen, wir müssen darüber sprechen immer wieder. Wir müssen die rechte Wange hinhalten und auch die linke. In meiner Familiengeschichte finde ich viele die es bei Oberflächlicher Betrachtung "nicht weit gebracht" haben. Stolz bin ich auf jene, die unbändig waren.
"Stell Dir vor es ist Krieg-
und keiner geht hin..." So stand es auf dem Poster in meinem Kinderzimmer. Meine Gedanken für Frank. Gruß, Johannes

Kommentar von Frank Dietze |

Lieber Johannes,
ja natürlich sind das meine heutigen Gedanken!
Ich beschrieb meine Gedanken im typischen Alter eines Soldaten.
Und ich sehe in der Generation des Alters des typischen Soldaten vorwiegend eine naive Begeisterungsfähigkeit für nicht zu Ende Gedachtes!
Es muss sich nur "gut" anhören, "gut" anfühlen.
Und man muss einer von "vielen" sein!
Dann "kann" man nicht im Irrtum sein...
sapere aude

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